Regisseurin ihrer selbst

Die Filmemacherin Greta Gerwig ist für einen Oscar nominiert.

Sie ist erst die fünfte Frau in der Geschichte der Oskars, die in der Kategorie «Beste Regisseurin» nominiert ist: Greta Gerwig. Bild: Getty Images/Turner Image

Sie ist erst die fünfte Frau in der Geschichte der Oskars, die in der Kategorie «Beste Regisseurin» nominiert ist: Greta Gerwig. Bild: Getty Images/Turner Image

Wenn die #MeToo-Bewegung in Hollywood derzeit ein lachendes, nach vorne blickendes Gesicht hat, gehört es der US-Schauspielerin und Filmemacherin Greta Gerwig. Auf den peinlichen Moment bei den Golden Globes angesprochen, als die Nominierten in der Kategorie Filmregie ­wieder einmal nur Männer waren, sagte sie strahlend: «Ganz ehrlich, das wird das letzte Mal gewesen sein, da bin ich mir sicher.»

Beflügelt wird ihr Optimismus von der Tatsache, dass ihr Film «Lady Bird» bei derselben Preisverleihung als «Bester Film, Komödie oder Musical» ausgezeichnet wurde – und sie dann doch als Siegerin auf der Bühne stand.

Das könnte sich bei den Oscars Anfang März wiederholen. Auch da geht «Lady Bird» ins Rennen um den besten Film, und die Peinlichkeit der Globes hat man vermieden – Gerwig ist auch als «Beste Regisseurin» nominiert. Zwar ist sie erst die fünfte Frau in der Geschichte der Academy Awards, die in dieser Kategorie gefeiert wird, und sie tritt gegen vier Männer an. Aber die Chance auf einen Doppelsieg ist da. Auch weil die fast 6700 Mitglieder der Oscar-Academy, die im Kollektiv die Preisträger wählen, dieses Jahr wissen, dass jede ihrer Entscheidungen gesellschaftliche und politische Bedeutung hat.

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Gerwig hat in ihrem bisherigen Werk darauf gesetzt, ihr eigenes Leben auf die Leinwand zu bringen. Gemeinsam mit Jo Swanberg prägte sie das «Mumblecore»-Genre – eine Spezialrichtung des New Yorker Independent-Films, in der junge Sinnsucher besonders lebensnah nuscheln durften. Mit dem Regisseur Noah Baumbach, der bis heute ihr Lebenspartner ist, schuf sie den Film «Frances Ha» (2013), der ihr Image als liebenswert schusseliges New Yorker It-Girl bestimmt, das in einer eigentlich viel zu teuren Stadt an seinen künstlerischen Träumen festhält.

Tatsächlich stammt Gerwig, Jahrgang 1983, gar nicht aus New York, sondern aus dem sonnig-ereignislosen Sacramento, Kalifornien. Dieses Spannungsfeld zwischen Herkunft und Ambition hat sie öfters thematisiert. In «Lady Bird», dem ersten Film, den sie ganz allein entwickelt hat, wird daraus der zentrale Impuls der Erzählung. Ihre Heldin Christine ist ein Selbstporträt. Wie Gerwig geht sie auf eine katholische, von Nonnen geleitete Mädchenschule in Sacramento, wie Gerwig gehört ihre Familie zur kämpfenden Mittelschicht, was der Tochter oft peinlich ist, und wie Gerwig träumt sie trotz schlechter Noten davon, an einem renommierten Ostküsten-College angenommen zu werden.

Zu dieser biografischen Leidenschaft gehörte auch Gerwigs Verehrung für den Stadtneurotiker Woody Allen, für den sie 2012 in «To Rome with Love» noch gern vor der Kamera stand. Auch das hat sich durch die #MeToo-Bewegung geändert. Mit ihrem heutigen Wissen um die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn würde sie nicht mehr mit ihm drehen, gab sie kürzlich zu Protokoll.

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