Kung-Fu und Laser und Brüste

Mit «Kung Fury» verwirklichte Werbefilmer David Sandberg einen Traum. Der wahnwitzige Trash-Film schaffte es sogar bis nach Cannes.

Hatte gestern offiziell Premiere: «Kung Fury» von David Sandberg.


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Das Zeitloch hat Kung Fury im Land der Wikinger ausgespien. Dort wird es für den Helden sogleich ungemütlich: Ein Dinosaurier hat es auf ihn abgesehen, schiesst rote Laserstrahlen aus seinen Augen. Ein Laser-Raptor! Und Kung Fury ist unbewaffnet. Doch was ist das? Die Rettung kommt auf einem Wolf geritten. Es ist die Walküre Barbarianna. Und die entschärft die brenzlige Situation kurzum mit ihrem mehrläufigen Maschinengewehr.

Dinosaurier. Laser. Wikinger. Maschinengewehre. Willkommen in der Welt von «Kung Fury», einem Kurzfilm des bis dato unbekannten schwedischen Regisseurs David Sandberg.

Sofa weg? Kickstarter hilft

Bis vor wenigen Jahren dreht der 29-jährige Sandberg mehr oder minder lustlos Werbeclips und Musikvideos. Natürlich träumt er insgeheim davon, einmal seinen eigenen Film in die Kinos zu bringen. Irgendwann hat er tatsächlich genug vom Dümpeln. Er beginnt, an einem Polizeistreifen in 80er-Manier zu arbeiten. Zwei Jahre lang wurstelt Sandberg. Doch wie finanziert man einen Film aus der eigenen Tasche? Als Sandberg sein Sofa und den Fernseher verkaufen muss, um nicht zu verhungern, ändert er die Taktik: Er lanciert eine Kampagne auf der Crowdfunding-Seite Kickstarter. 200'000 US-Dollar will er sammeln.

Aus dem bereits vorhandenen Filmmaterial schneidet Sandberg einen Trailer, stellt ihn auf Facebook und Kickstarter. Sein Projekt wird zum Selbstläufer. Innert 24 Stunden hat Sandberg die 200'000 Dollar zusammen; bis zu ihrem Ablauf bringt die Kampagne 630'000 US-Dollar ein.

In den Kampf gegen den Kung Führer

Das war 2013. Seither konnte «Kung Fury» im Internet eine regelrechte Fangemeinde aufbauen. Auf Youtube wurde der Trailer in einem Jahr über 10 Millionen Mal angeklickt. Diese Aufmerksamkeit verhalf Sandberg zu weiterem Schwung. Für das Filmlied zu «Kung Fury» konnte der Filmemacher niemand Geringeres als 80er-Ikone David Hasselhoff gewinnen. Mehr noch, Sandberg durfte seinen Film im Rahmenprogramm des diesjährigen Filmfestivals von Cannes zeigen.

Die Handlung von «Kung Fury» ist schnell erzählt: Kung Fury (von David Sandberg selbst gespielt) ist Polizist und Kung-Fu-Wunder. Er reist in der Zeit zurück, um den Kung-Fu kämpfenden Hitler zu töten. Doch das Unterfangen geht schief. Anstatt im Deutschland der NS-Zeit landet der Protagonist inmitten von Wikingern, Dinosauriern und nordischen Göttern. Doch Thor und sein Hammer helfen Kung Fury, die Zeitreise doch noch abzuschliessen. Endlich an seinem Ziel, stellt sich der Held dem Kampf gegen Adolf Hitler, dem Kung Führer.

«Karate Kid» und Lamborghini

«Kung Fury» ist eine Über-Hommage an die Popkultur der 1980er. Sandberg verwurstet in seinem 30-Minuten-Streifen so ziemlich alles, was im Jahrzehnt der schlechten Frisuren angesagt war. «Karate Kid», «Back to the Future» und «Lethal Weapon». Grosse Mobiltelefone, Arcade-Spiele und der Lamborghini Countach. Wenn dann noch der Synthi herzzerreissend jammert und Hitler mit einer Pistole den Polizeichef durch das Natel anschiesst, ja, dann ist «Kung Fury» so überdreht, dass man sich einfach amüsieren muss.

Dennoch ist Sandbergs Cop-Film mehr als nur Klamauk. Effekte und Animationen lassen sich sehen. Sandberg beweist ein Gespür für Witz und Timing. Etwa wenn ein SS-Offizier seinen Kollegen hänselt, weil dessen Schnurrbart zu wenig arisch sei. Wenn plötzlich das Bild ruckelt und verschwimmt, als schaue man ein altes VHS-Video vom Familienfest 1986. Oder wenn Sandberg seinen Protagonisten vor einem billigen Einzeiler wissend in die Kamera blicken lässt.

Mittlerweile ist man offenbar auch in Hollywood davon überzeugt, dass David Sandberg Talent hat. Angeblich soll Produzent David Katzenberg bereits an einer Kinoversion von «Kung Fury» arbeiten. Ob bald Cate Blanchett als Walküre auf einem Wolf reitet? Und Dinos ihre Laser in 3-D abschiessen? (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2015, 15:35 Uhr

David Hasselhoff – True Survivor

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