Die Cinémathèque muss umplanen

Schweizer Filmarchiv
Philippe Reichen@PhilippeReichen

Das neue Forschungs- und Archivzentrum der Cinémathèque Suisse in Lausanne hätte in diesem Jahr eröffnet werden sollen. Hätte, denn der Eröffnungstermin wurde längst auf 2018 verlegt. Mit der digitalen Revolution, welche die Filmindustrie erfasst hat, ist ein grosser Teil der ursprünglichen Pläne obsolet geworden. Die Cinémathèque musste ihr Konzept grundlegend überarbeiten. Zusätzlich zu den perfekt temperierten und befeuchteten Lagerräumen für Filmrollen sollen nun neue Harddisks und modernste Telekommunikationstechnologie installiert werden. Um sie zu bedienen, braucht man allerdings Fachpersonal. Das Parlament soll Ende Jahr das Geld für die baulichen Veränderungen genehmigen. Später wird sich der Bundesrat mit dem zukünftigen ­Betriebskonzept des Schweizer Film­archivs auseinandersetzen müssen.

Die Frage stellt sich: Hätte man die ­digitale Entwicklung nicht voraussehen können, ja müssen? Frédéric Maire, der Direktor der Cinémathèque, sagt, es sei alles sehr rasch gegangen. «Wer hätte ­gedacht, dass in allen Schweizer Kinos innerhalb eines Jahres digitale Projektoren stehen?» Die rasche Veränderung habe ihn selbst überrascht. Der Neuenburger gab 2009 die Leitung des Filmfestivals Locarno ab und wurde Direktor der Cinémathèque. Die Planungsarbeiten für das neue Zentrum hatten im Jahr 2000 begonnen, waren zum Zeitpunkt seiner Ankunft also weit fortgeschritten – die digitale Archivierung aber war noch kein Thema. Maire sagt, als Erstes hätten er und sein Team in einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten dafür abklären lassen. Es habe sich gezeigt, dass man möglichst rasch ins digitale Zeitalter vorstossen musste.

Obwohl man in Lausanne erst noch aufrüsten muss, um im digitalen Zeitalter bestehen zu können, lässt die Cinémathèque bereits Filme scannen: in der Schweiz beim Zürcher Unternehmen Cinegrell zum Beispiel. Aber das Geld reicht derzeit nur für die Digitalisierung von Filmrollen, die in einem derart schlechten Zustand sind, dass man das Rohmaterial ohnehin entsprechend bearbeiten muss, um sie erhalten zu können. Der Gesamtaufwand dafür beläuft sich auf 50'000 bis 100'000 Franken pro Film. Noch fehlt das Geld, um analoge Negative, die in gutem Zustand sind, zu scannen, obwohl dies «nur» 30'000 Franken kosten würde.

24 Bilder pro Filmsekunde

Zwar wurde jüngst Fredi Murers Film «Höhenfeuer» digitalisiert, die Kosten dafür hat der Regisseur aber selbst übernehmen müssen. Laut Frédéric Maire ist der Prozess jeder Digitalisierung äusserst aufwendig. Filme müssen am Computer Bild für Bild bearbeitet werden, pro Filmsekunde 24 Bilder. Trotz des neuen Forschungs- und Archivzentrums will die Cinémathèque auch künftig keine Filme selbst scannen, sondern sich nebst der Pflege des Analogen um die Archivierung von Filmen kümmern, die schon digital gedreht worden sind.

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