David Attenborough hübscht die Natur auf

Die Ikone der epischen Naturdokumentationen spannt mit Netflix zusammen. Ob das der Umwelt wirklich hilft?

Ist überzeugt, mit filmischem Engagement etwas zum Erhalt der Natur beizutragen: Sir David Attenborough.

Ist überzeugt, mit filmischem Engagement etwas zum Erhalt der Natur beizutragen: Sir David Attenborough.

(Bild: Keystone)

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Sanfte Klavierklänge, dazu Ameisen, die grüne Blätter über einen Baumstamm tragen. Dann wird die Musik dramatisch, ein Buckelwal schmeisst sich rücklings ins Meer. So geht das zu in «Our Planet», der neuen Netflix-Serie. Dazu hört man die Stimme, die man immer sprechen lässt, wenn man einer Naturdokumentation Nachdruck verleihen will.

Es ist die Stimme des Naturhistorikers David Attenborough, der jahrelang für die BBC und für Filme wie «Planet Erde» oder «Blauer Planet» auf Weltmeeren und in Urwäldern unterwegs war. Im Trailer verspricht er dem Publikum «die Geschichte unseres sich verändernden Planeten und was wir tun können, damit die Erde gedeiht». Netflix ist bei der Ankündigung der siebenteiligen Serie frei von Bescheidenheit: ein globales Ereignis, visionär, bahnbrechend, ambitioniert, neueste Kameratechnologie, nie dagewesene Bilder.

Tatsächlich ist die Serie technisch brillant, die Zeitlupen, Supernahaufnahmen von Gefiedern und Verfolgungsjagden in der Savanne sind beeindruckend. Es ist das, was ein Massenpublikum sehen will. Attenboroughs Stimme tönt trotz seiner 92 Jahre einwandfrei.

Doch schon wird Kritik laut: «Our Planet» sei ein Abklatsch früherer BBC-Dokumentationen, für die Attenborough bekannt ist. Netflix liefere klischierte, gekünstelte Tierdarstellungen und Grössenwahn anstatt wirklich innovativer Erzählformen.

«Würden Sie sagen, Sie haben ein realistisches Bild der Tierwelt und Natur gezeigt?», wollte der «Spiegel» wissen. «Realistisch» sei ein merkwürdiges Wort, sagte der Brite. Man könne nicht die ganze Bandbreite der Wahrheit zeigen. Er glaube nicht, dass er die Natur fundamental unehrlich gezeigt habe. Aber er und andere würden sie sicher dramatischer erscheinen lassen, als sie in Wirklichkeit sei.

Doch seine Begeisterung für Tiere und die Natur ist kaum gespielt. Sie war früher da als der Plan, damit berühmt zu werden. Dem «Spiegel» erzählte er, wie er als Kind Fossilien und Knochen sammelte. Für ihn waren sie magisch, gefüllt mit Millionen von Jahren an Geschichte. Als Jugendlicher konnte er nicht verstehen, weshalb sein älterer Bruder mit Mädchen tanzen ging – er könnte doch Fossilien sammeln.

Trotzdem wird Attenborough vorgeworfen, er habe in seiner Naturfilmerkarriere zu wenig für den Naturschutz getan. Er lässt den Vorwurf gelten, aber nur für die 50er- und 60er-Jahre, als niemand über Naturschutz gesprochen habe. Danach habe er ihn in seinen Filmen stets zum Thema gemacht – die ganzen sieben Netflix-Episoden würden sich um Naturschutz drehen. Er wolle das Publikum aber nicht mit Moralpredigten vergraulen. Man müsse den Leuten die Schönheit der Natur zeigen, damit sie sie zu lieben begännen.

Doch zu welchem Preis? Denn gerade für «Unser Planet» drehte Netflix in 50 Ländern auf allen Kontinenten, Hundertschaften von Crewmitgliedern waren im Einsatz. Es wäre naiv, anzunehmen, dass sie alle per E-Bike oder zu Fuss zu den Dreharbeiten anreisten. Sonst hätte Netflix wahrscheinlich auch damit angegeben.

Heute ist «Unser Planet» auf Netflix angelaufen. In sieben Episoden sieht man die Schönheit der Natur, aber auch die Auswirkungen des Klimawandels. Quelle: Youtube

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