Dann doch lieber Vanillesex

«Fifty Shades Freed» ist das letzte Zucken einer Filmtrilogie, die einst als aufregender Geschlechterkampf begann.

Endlich verheiratet: Christian Grey (Jamie Dornan) und Anastasia Steele (Dakota Johnson) in «Fifty Shades Freed».

Endlich verheiratet: Christian Grey (Jamie Dornan) und Anastasia Steele (Dakota Johnson) in «Fifty Shades Freed».

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«Good morning, wife», säuselt Christian Grey (Jamie Dornan). «Good morning, husband», haucht Anastasia Steele (Dakota Johnson) aus den Laken zurück. Das ungleiche Paar hat zu Beginn des «Fifty Shades of Grey»-Finales tatsächlich geheiratet, fliegt für Flitterwochen nach Paris und an die Côte d'Azur. Und alles könnte wunderbar und voller «Vanillesex» sein, also ohne Peitschen und anderen Sadomaso-Kram, wenn da nicht immer diese Vergangenheit wäre. Zum Beispiel in Person von Anastasias Ex-Chef Jack Hyde (Eric Johnson), der «sein Leben zurückwill» und deshalb die Heldin zu entführen versucht. Das mag mit Logik wenig zu tun haben, aber von irgendeiner Spannung sollte der vollmundig angekündigte Schlussteil («Don't miss the climax!») ja zehren, vor allem, wenn sich die Hauptfiguren nur noch im Kreise ihrer sattsam bekannten Lüste und Bedürfnisse drehen.

Im ersten Teil der Trilogie (2015) war das noch reizvoll: Grey, Unternehmer und Milliardär, legte der Literaturstudentin Anastasia einen detaillierten Vertrag bezüglich seiner sexuellen Vorlieben vor, worauf sich ein geschlechterspezifisches Kräftemessen entspann. Es ging um psychische und physische Machtkämpfe, um Regeln, Rechthaberei und persönliche Hoheitsgebiete. Kein Zufall, dass mit Kelly Marcel (Drehbuch) und Sam Taylor-Johnson (Regie) zwei Frauen zuständig waren, um aus der Vorlage von E.L. James ein packendes romantisches Ringen zu formen. Der Film spielte weltweit 571 Millionen Dollar ein.

Trailer «Fifty Shades Freed». Video: Universal

Mit «Fifty Shades Darker» (2017) folgte dann eine ungleich einseitigere Angelegenheit. Ab jetzt bestimmte Grey, wos langging, und Steele verkam zum dekorativen Anhängsel, das kaum noch aufmuckte, wenn er zum Beispiel den Literaturverlag kaufte, in dem sie arbeitete. Auf künstlerischer Ebene hatten die Männer übernommen: E.L. James' Gatte Niall Leonard schrieb das Drehbuch, James Foley führte Regie. Das weltweite Box-Office schmolz auf 381 Millionen Dollar zusammen.

Und was bleibt fürs Trilogiefinale? Da gehen Drehbuchautor Leonard und Regisseur Foley erst mal der drängenden Frage nach, ob Anastasia nach der Hochzeit immer noch Steele oder doch Grey heissen sollte. Ausserdem will ein gemeinsamer Palastbezug geplant sein (eine schöne Innenarchitektin/Nebenbuhlerin darf auch zwei Sätze sagen). Ferner finden statt: Wanderausflüge und Shoppingtrips in Aspen, eine James-Bond-Autoverfolgungsjagd für ganz Arme, körperliche Erkundungsreisen mit dem Eisbecher sowie gelegentliche Ausflüge in Herrn Greys «Spielzimmer». Dabei sehen wir Dakota Johnson aus allerlei Kleidern schlüpfen, während sie sich immer wieder auf die Unterlippe beisst. Nach einer guten Filmstunde kommt schliesslich Jack Hyde auf Kaution aus dem Gefängnis raus und tut, was er als Bösewicht tun muss: Er plant eine weitere Entführung. Freilich wirkt das alles so lustlos zusammengepappt, dass man fast verzweifelt nach einer halbwegs vernünftigen Botschaft sucht, nach etwas, das nicht nur dem obszönen Abfeiern eines Luxus-Lifestyles gleichkommt. Schliesslich sagt Anastasia Steele/Grey: «Wenn man viel Sex hat, können Kinder entstehen.» Und das wäre er dann, der Höhepunkt eines Films, den man irgendwann nur noch unfreiwillig komisch finden kann.

Ab Donnerstag, 8.2., in den Schweizer Kinos.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2018, 11:10 Uhr

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