50er-Jahre-Look und Astra-Bier

Die Hamburgerin Jeannette Wolf übernimmt die Leitung der Foyer-Bar im Kino Rex, in das Ende Oktober das Kino Kunstmuseum einziehen wird.

Auf der REx-Baustelle: Die Gastfreundschaft liegt Jeannette Wolf im Blut, ist die 42-Jährige doch in einem Hotel aufgewachsen.

Auf der REx-Baustelle: Die Gastfreundschaft liegt Jeannette Wolf im Blut, ist die 42-Jährige doch in einem Hotel aufgewachsen.

(Bild: Adrian Moser)

An den Wänden kleben Zettel mit dem Hinweis «frisch gestrichen», Drähte und Kabel hängen lose aus irgendwelchen Löchern, vieles ist mit Plastikplanen ­abgedeckt, und draussen pinseln Maler einen Sternenhimmel an die Unterseite des Eingangsbereichs, wobei sie einigermassen abenteuerlich auf Leitern balancieren. Das Kino Rex ist zurzeit noch mehr Baustelle als Kino und das Foyer mehr Baumarkt als Bar. Und doch lässt sich bereits erahnen, welches Ambiente Cinephile und Ausgehfreudige zukünftig an der Schwanengasse 9 erwarten wird, wo das Kino Kunstmuseum Ende ­Oktober Neueröffnung feiern wird.

«Wir sind alle gespannt, wie die Leute auf das neue Kino reagieren werden. Und ich natürlich insbesondere darauf, wie die Bar ankommen wird», sagt Jeannette Wolf. Die 42-jährige Deutsche, die der Liebe wegen nach Bern gezogen ist, hat die Gastroleitung der Foyer-Bar im Rex übernommen.

In Hamburg war Wolf Mitinhaberin einer Filmuntertitelungsfirma. In Bern und Zürich hat sie während rund zweier Jahre in verschiedenen Gastro- und Kulturbetrieben Erfahrungen gesammelt und sich, kontaktfreudig und umgänglich wie sie ist, ein beachtliches Netzwerk aufgebaut. Als Wolf dann von der offenen Stelle als Bar- und Kassenchefin im Rex erfuhr, war für die cinephile Deutsche klar, dass sie sich für diesen Job bewerben wollte. «Die Gastfreundschaft liegt mir quasi im Blut», erklärt Wolf, «schliesslich bin ich in einem ­Hotel aufgewachsen.» Ihre Bewerbung überzeugte – und so wird die sympathische Hamburgerin nun schon bald Gäste in der «eigenen» Bar bewirten.

«Die Mischung macht es aus»

In der Rex-Bar sollen dereinst nicht nur Getränke über den Tresen gehen, sondern auch verschiedene Canapés. Ausserdem will Jeannette Wolf mit Kaffee, Kuchen und einem Zeitungsangebot an auch internationaler Presse zum gemütlichen Verweilen einladen. Auf ihre Wunschkundschaft angesprochen, erklärt sie: «Die Mischung macht es aus. Ich hoffe, es kehrt neben dem Kinopublikum auch ein buntes Durcheinander von Gästen bei uns ein.»

Die Bar soll jeden Tag eine Stunde vor der ersten Filmvorführung bis 0.30 Uhr geöffnet sein, wobei rund 10 Leute Schichtbetrieb leisten werden. Wolf hofft, dass sich die Rex-Bar zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelt, wo man sich zum Apéro trifft, am späten Abend einen ­Absacker trinkt oder sich einmal im Monat zu Klängen auserwählter DJs vergnügt. (Die Reihe REXtone wird von Musik­journalist Benedikt Sartorius kuratiert.)

«Bisschen mehr Schmackes»

Das Kino Rex blickt auf eine lange Tradition zurück, wurde es doch 1952 als 12. Kino der Stadt Bern eröffnet. In den 90er-Jahren nahm der damalige Betreiber massive und lieblose bauliche Eingriffe vor, wodurch ein grosser Teil des ursprünglichen Charmes verloren ging. Der jetzige Kinobetreiber Cinéville will das Traditionskino nun wieder in seinem alten Glanz erstrahlen lassen, wobei insbesondere auch in der Foyer-Bar der Geist der 50er-Jahre auferstehen soll. Entsprechend wurden Spannteppiche herausgerissen und der Terrazzo-Boden freigelegt sowie hübsche Details wie Bullaugen oder verschnörkeltes ­Geländer betont.

Bei der Rekonstruktion des Raumes zeigte sich, dass die originale Farbgebung eher zurückhaltend war und mehrheitlich in dezentem Hellblau, Beige und Oxidrot gehalten wurde. Architekt, Vorstand und Bauleitung waren sich einig, dass diese Farben auch im neuen Rex dominieren sollen. Wolf befürchtete allerdings, dass der Ort zu sehr vornehmes Foyer würde: «Es war mir ein Anliegen, dass die blasse Farbgebung mit Gegenpolen akzentuiert wird, wenn auch immer noch klar im Geiste des 50er-Jahre-Originalzustandes», erklärt sie.

Entsprechend wird bei Mobiliar, Bezügen und Theke nun darauf geachtet, dass nicht nur Pastell-Töne, sondern auch eher kräftigere Farben zum Zuge kommen. «So hat das Ganze bisschen mehr Schmackes, ne?», sagt Wolf. Mehrere grosse Sofas werden den Kern der Inneneinrichtung bilden, dazu kommen ein paar Tische und Stühle, alles Spe­zialanfertigungen mit unterschiedlich langen Beinen, weil der Foyer-Boden zum Kinosaal hin abschüssig ist. Wolf freut sich offensichtlich auf Ihre neue Aufgabe und tüftelt zurzeit mit Elan am zukünftigen Rex-Bar-Sortiment, in welches nebst viel Lokalem auch Astra-Bier und Kümmel-Schnaps aus Hamburg aufgenommen werden sollen. Ab Ende Oktober dürfte somit ein dezentes Hansestadt-Lüftchen durch das königliche Arthouse-Kino an der ­Schwanengasse wehen.

Der Bund

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