Jede Buechstabe zellt!

«Mundart»-Kolumnist Ben Vatter sogt sich um die Erhaltung des Berndeutschs.

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Geng öppe wider reden i mit Lüt drüber, was mit em Bärndütsch i üsere Zyt eso passiert u wis halt o geng wi meh verwässeret wird. Fasch jedes Mal chunt relativ gly mal ds Chlage über all di Anglizisme, wo me überall ghöri. I finde de albe, dass für mi die offesichtleche Entlehnige us em Änglisch gar nid eso schlimm syge.

We öpper vo «Background» oder vo «Know-how» redt, isch doch wenigschtens allne klar, dass das änglischi Begriffe sy (okay, i gibes zue, ganz eso eifach isch es nid immer!).Was mi vil meh stört, sy di ganz minime Veränderige, wo sech ds Bärndütsch em Hochdütsch aaglycht – und vil Lüt gar nüüt dervo merke. Bsunders perfid isch das dert, wo nume ei einzige Buechstabe der Unterschid zwüsche Bärndütsch und «Hochbärndütsch» usmacht. Drum han i für die Kolumne nume grad settigi Byschpil gsammlet. Alli Müschterli han i (geng wi geng) irgendwo ghört und gwüssehaft notiert.

Also, es cha zersch mal sy, dass ei Buechstabe anders isch. Da tünkts mi, üse «gg» syg zimlech gfährdet. Geng meh ghört me «Marke, Zacke, Block, Jacke, ticke» statt ihri eigentlech originale Äquivalänt mit «gg». Us «Rouke» wird hütt meischtens «Rouche», derfür verwandlet sech bi der «Bachstube» grad umgekehrt ab u zue der «ch» i ne «ck». Hüffig passiert der Wächsel bim Vokal (Frosch statt Frösch, Bus statt Böss, Sohn statt Suhn, Mügge statt Mugge, Tabak statt Tubak, Torte statt Turte, roh statt rou, Stroh statt Strou, d Städt statt d Stedt), mängisch sogar a ganz unschynbare Örtli (füfmonatig statt -monetig, Spinat statt Spinet, Ameise statt Ameisi, Ligestuel statt Ligistuel). Öppedie isch o e Konsonant anders, wi bi «ygschlosse» (statt ybschlosse) oder «in Ornig» (statt ir Ornig).

Zwöitens chas sy, dass e Buechstabe fählt. Es paar Mal han i ghört, dass e unbetonte Schluss-«e» nümme gseit wird, wo bir dütsche Entsprächig tatsächlech fählt: «Schulter, Fläck, Fels, Oper, Lärm, Stirn, Gofer» chöme nöierdings nid sälte zimli mutz derhär. Ou e «o» (d Nummer statt ds Nummero) oder e «i» chöi verlore gah: dä ender offesichtlech bi «Hirn(i)», echli versteckter bim «Lok(i)füerer» oder bim Usspruch «das isch ja der Aller(i)bescht»! Bi de Konsonante chas o verschidnigi preiche (süüfze statt süüfzge, usser statt ussert, ds eine statt ds einte, bi vile statt bi vilne, falsch statt faltsch, Ercheltig statt Vercheltig, Spass statt Gspass); bsunders gfährdet schynt hie der «l» z sy, wo byschpilswys bim «Langlöif(l)er», bi «misch(l)e», «aachrüz(l)e» u «schnarch(l)e» geng wi meh wäggrationalisiert wird.

U drittens chas natürlech o sy, dass e Buechstabe zvil isch. Im Gägesatz zu de erschte Byschpil im vordere Abschnitt überchöme teil Wörter plötzlech e unbetonte Schluss-«e», wo dä bis jitz nid hei gha: e «Falte» verdrängt der «Falt», e «Luune» der «Luun» und ds «Finale» der «Final». O i zämegsetzte Wörter schlycht sech mängisch e zuesätzleche «e» yne: So han i ir Letschti «Wartezimmer» und «Badehose» genau so imene eigentlech bärndütsche Gspräch ghört. Bi de Konsonante hätte mer e «n» im Supplement z biete, sehr beliebt bi «vorne» (statt vore) und «lerne» (statt lehre). Aber o e «r» cha zvil sy (drinne statt dinne) oder e «t» ganz am Schluss no aaghänkt wärde, wi bi «Predig(t)», «ersch(t)» oder «fasch(t)».

Jitz chöit Dir natürlech säge, das syg würklech übertribe spitzfindig, wäge dene paar Buechstabe eso nes Büro ufztue. Ber eigenlech y mr doh f jed Bechstabe aawise, indet De nd? Wis öll ds b e inte weiger schimm s al i d adere? G slber hane äme a jedm! (Der Bund)

Erstellt: 09.02.2018, 07:03 Uhr

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