Itz Kontrollverluscht

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt erklärt uns, warum wir manchmal in unpassenden Situationen lachen.

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Voletscht, drei Sekunde vor em Yschlafe, hani es Biud uf Facebook gseh, wo mi us heiterem Himu so zum Lache pbracht het, dass i gmeint ha, es heig mr e Sicherig putzt. Mi Fründ het mi ganz schtotzig agluegt. We me so muess lache, dass me churz meint, me wärdi wahnsinnig, totale Kontrollverluscht. Ha de a Gregor dänkt. Är het üs ar Kunschti z Basu geng gränzelos zum Lache pbracht u het säuber glachet wien e Wahnsinnige. Klischee zwar: Aber äuä isch är so luschtig gsi, wöu so truurig. Dällebach Kari winkt. Himutruurig, wie Gregor d Wäut de o verlah het. Är isch zerscht no ir Psychi gsi; u isch de vom ne Dach keit. Ob äxtra oder nid, me wirds nie wüsse.

Lache, o wes himutruurig oder ärnscht isch: e Grundschtei für Humor. Was nid heisst, dass e Sach nid ärnscht gno wird. Gwüssi Lüt verwächsle das gärn. I erinnere mi, wo mi erscht Fründ am ne gruusige, graue, chaute Tag im April het wöuen es schwärs Beziehigsgschpräch afah. Mir sy öppe 16ni gsi. I ha afah Seich mache, umeblödele, zum Uflockere äuä. Bym Lache schtygt dr Suurstoff im Bluet, d Infektabwehr verbessert sech, u d Schmärzempfindlechkeit sinkt. Ömu nid schlächt, faus es grad zuen ere Trennig sötti cho. Aber o nid so gschpürig gsi vo mir, isch ömu gar nid guet acho. Är hets persönlech gno, het gmeint, i lachi ne us. Dert han i begriffe, dass i Säubschtironie bruuche. Es Lache im ärnschte Momänt. Und öppe mau Gaugehumor.

Im Gymer sy mir einisch i Schlachthof. Nachdäm mr ändlos viu Därm, Ouge, abghackti Bei, ufgschlitzti Chüe u Söi hei gseh, hei mir ungereinisch müesse afah lache. Dasch extrem irritierend gsi. Mir hein üs Luft verschafft. Was mir gseh u gschmöckt hei, isch e zue grosse Schock gsi. Wo aber isch d Gränze, ab wenn isch es Lache nümm luschtig, wenn ischs gschmacklos oder sogar zuetiefscht chrank? S söu ja Lüt gä, wos luschtig finge, i angeri inezballere! Humor, e reini Gschmacksach?

S isch gwautig, we me uf öpper trifft, wo dr «glych Humor» het. We me so lachet zäme, dass me d Kontrolle verlüürt. Das schteut Neechi här, richtig intim cha das sy. Me schänkt sech gägesytig Kontrollverluscht. Chopf i Nacke, Zähn, Träne u Gurgeli zeige – ja, me liefert sech em Gägenüber churz richtig us. Drum vilecht gits Lüt, wo sech bym Lache d Hand vors Muul häbe. Schutz oder e gwüssi Gschämigi. Myner Mama het sech bym Ässe sogar e Serviette übere Chopf gleit, we sie fescht het müesse lache. U de aber gits disi, wos gar nid mit em Lache hei. Wo lieber 100 % kontrolliert blybe. Eso, dass es fasch unmöntschlech wird. Oder cha me sech Erdogan, Assad, Hitler mit eme ächte, härzhafte Lachchrampf vorschteue?

Das hani gliebt a myre Nonna, sie het bis zum Schluss (97) chönne Träne lache; u het sogar no uf em Stärbebett eine bote, wo üs aui zum Lache bpracht het (u so natürlech o zum Gränne, u genau das het sie bezwäckt).

Aber fertig itz. Humor u Lache analysiere isch ja öppe ds Glyche wien e Frosch seziere. S isch nid luschtig, u dr Frosch isch tot. Pardon auso. Het aber grad müesse sy. S wär haut schön, we mr weniger «sauertöpfische Menschen» wäre, wie dr Sacha Batthyany voletscht ir «NZZ am Sunntig» em Dütschschwyzer seit. Zum Schluss no dr Lieblingswitz vo üsem Siebejährige: S chunnt e Maa um en Egge – was fäut? (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2018, 06:37 Uhr

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