In Bäriswil sah er seltsame Dinge

Bänz Friedli verbindet in seinem neuen Bühnenprogramm «Ke Witz! Bänz Friedli gewinnt Zeit» Sprachwitz mit Melancholie.

Sein Witz ist frisch, kohlensäurehaltig gewissermassen: Bänz Friedli.

Sein Witz ist frisch, kohlensäurehaltig gewissermassen: Bänz Friedli.

(Bild: Vera Hartmann)

Bänz Friedli, der Schweizer Gewinner des Salzburger Stiers 2015, der dem Pendeln Regeln, Kolumnen und schockierende menschliche Erfahrungen abgewann und seiner Tätigkeit als ­Vater und Hausmann den Humor und die Zeit, ihn kabarettistisch zu nutzen – dieser hat jetzt wieder Merkwürdigkeiten, Ungeheuerlichkeiten und Absurditäten von des Lebens goldenem Baum gepflückt. Manches davon hat er bereits letztes Jahr in Gmunden, Österreich, ausgebreitet (bei der Verleihung des Stiers), auf Hochdeutsch, und es funktionierte damals schon ganz gut. Aber das ausgereifte, gestaltete Ganze, auf Berndeutsch und in anderen Schweizer Mundarten, hat er im Rahmen des Festivals Blickfelder am Samstagabend im Zürcher Schauspielhaus zur Premiere bringen dürfen. Das ist eine Nobilitierung von Friedlis Komik, wie man sagen könnte, und er sagte, er könne nur sagen: wow! Das Programm heisst: «Ke Witz! Bänz Friedli gewinnt Zeit».

Ein weites Feld, die Zeit, und ein Oberthema, unter das viel Witz passt. Über die neue Zeit als Epoche des Live-tickers. Über die alte Zeit, die man erlebt hat und die nicht besser war, nur analoger, und die einen heute vor allem daran erinnert, dass man auch nicht mehr der Jüngste ist. Über die Zeit, die man nicht hat, obwohl man immer mehr davon gewinnt mit den richtigen Apps, und die man totschlägt, wenn man sie einmal hätte – weil man es gar nicht aushält mit Zeit, die man hat, sondern höchstens mit «quality time», mit der man sie sich vertreibt.

Zuweilen rechthaberisch

Über die Zeit sodann, als der Friedli im Zivilschutz war und zusammen mit dem René (wenn die Erinnerung nicht täuscht) die obligatorischen Schutzräume in Einfamilienhäusern kontrollieren musste, und da habe man Sachen gesehen, so Sachen, man müsse es sich vorstellen wie: «50 Shades of Bäriswil». Und dann: dass es nicht angenehm sei, wie mit der Zeit sich Dinge «im Gring» festsetzten, der Standarddurchmesser einer CD (12 cm), das ­Maximalfassungsvermögen eines Kondoms (18 Liter), und die bringe man ums Verrecken nicht mehr hinaus, während man den Namen der Nach­barin immer vergesse.

Es ist ein frischer Witz, kohlensäurehaltig gewissermassen. Seine besten Eigenschaften sind die exakte Beobachtung kleiner Details und das Musikgehör für Tonfälle. Er assoziiert so vor sich hin, ganz unempört scheints. Er hat etwas Leichtes, Erfrischendes und nur beiläufig meuchlings Erschlagendes. Ein alter Kritiker nannte diese Art des komischen Schreibens und Spielens einmal: «durchgearbeitet aus dem Stegreif». Meistens ist das so. Manchmal erfasst den Bänz Friedli ein seltsam unsouveräner, mahnender, recht habender Ernst, wir sagen nur: Atommüllendlagerung. Das ist satirisches Papier.

Aber er fängt sich dann jeweils und findet sich wieder in der Lebendigkeit eines real existierenden und einem konkret vor Augen stehenden Abstrusen. Der Wirklichkeit wurde zum Beispiel die sprachlich überraschende Verbindung von Sperma und einem Zweifränkler entnommen.

Und nie, glaube ich, hat einer schöner die Seelenbürde und tragikomischen Demütigungen eines Anhängers der Berner Young Boys beschrieben, die jahrzehntelang nicht mehr Meister ­waren; und wie das ist, wenn so ein melancholischer Fan, eingeschüchtert von baslerischem Fussball, sich trösten will mit einer «Serwela», und vom Grill­wagen herab tönts baslerdeutsch: «Meine Si öppe e Klöpfer?»

«Ke Witz!» ist auf Schweizer Tournee ab 27. August, in Bern vom 21. bis 25. September in der Cappella.

Der Bund

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