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Im Tangoschritt zum Popkonzert

Komplexer Genuss: Al Di Meola ist ein Meister der Technik. Und der Einfachheit.

Der Musiker Al Di Meola.
Der Musiker Al Di Meola.
© 2014 Al Di Meola

«Im Grunde meines Herzens bin ein frustrierter Perkussionist», sagt Al Di Meola. Doch womöglich ist es genau diese Unzulänglichkeit, die ihn zu einem der einfallsreichsten Gitarristen der Welt macht. Er wirbelt, er zaudert, er zieht, peitscht und rüttelt: Sein Spiel mit dem Rhythmus hat ihn nicht nur weltberühmt, sondern auch unkopierbar gemacht. Sogar er selbst muss seine Stücke immer wieder üben, «weil sie einfach schwer zu spielen sind».

Doch Komplexität allein macht noch keinen Genuss. «Jazz ist so intellektuell, er zielt auf das Gehirn, aber rührt nicht das Herz», sagt der Italo-Amerikaner. Und so führt er sein Publikum im Tango-Schritt in verrauchte Jazz-Keller, auf Rockkonzerte, in Wüstenstürme und zum Polarlicht. Sein ständiger Begleiter im Geiste ist dabei Astor Piazzolla. Zusammen mit dem italienischen Akkordeonisten Fausto Beccalossi spielt Di Meola in Bern bekannte Stücke der argentinischen Bandoneon-Legende. Aber Di Meola kann auch ganz modern: Er interpretiert Beatles-Klassiker, und zwar so unpeinlich wie kaum einer vor ihm.

Einem breiten Publikum bekannt wurde Di Meola mit dem Album «Friday Night in San Francisco», das er 1980 zusammen mit John McLaughlin und Paco de Lucía aufnahm, ein live-musikalischer Salto mortale, der ins Plattenregal eines jeden Akustikgitarrenliebhabers gehört. Er spielte mit Frank Zappa, Jimmy Page, Stevie Wonder, Chick Corea, Herbie Hancock und vielen anderen, veröffentlichte Album um Album, heimste Preis um Preis ein. In den letzten Jahren hat er sich nun wieder vermehrt seinen eigenen Kompositionen gewidmet, jüngst auf dem Album «Opus».

Es sei sein erstes Album, das er in einem glücklichen Geisteszustand aufgenommen habe, sagt der frisch gebackene Vater. Vielleicht ist das Werk deshalb an manchen Stellen etwas gar süsslich geraten. Aber Di Meola beweist dennoch: Es ist möglich, Technik, Tango, Jazz, Pop und beethoven’sche Vehemenz zu einer anspruchsvollen Musik zu vergären, ohne dabei die Macht der Einfachheit zu vergessen. (xen)

Yehudi-Menuhin-Forum Di, 6. 3., 20 Uhr.

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