Im Rollstuhl interviewte er Sarah Palin

Als Ali G und Borat wurde er berühmt. Jetzt stellt Sacha Baron Cohen amerikanische Politiker bloss.

Hat in den USA neue Opfer gefunden: Sacha Baron Cohen mit seiner Show «Who Is America?», z.B. als «israelischer Sicherheitsexperte», der amerikanische Waffennarren narrt. (Video: Showtime)

Jean-Martin Büttner@Jemab

«Es ist, als hörte man ‹Sgt. Pepper› zum ersten Mal», sagten zwei Kollegen von ihm, als sie das Kino verliessen. Es waren Trey Parker und Matt Stone, die Autoren von «South Park», der Trickfilmserie mit dem hohen Sarkasmusgehalt. Das Kompliment ist gut gewählt. Denn Sacha Baron Cohen hat fertiggebracht, was niemand für möglich gehalten hätte, am wenigsten seine Komikerkollegen: eine neue Form der Satire zu erfinden. Man könnte sie als absichtliche Realsatire bezeichnen.

Zwar hat Cohen auch konventionelle Komödien gemacht wie «The Dictator», konventionell in dem Sinne, dass er die Hauptrolle in einer fiktiven Geschichte spielt. Berühmt wurde er aber mit einer fiktiven Figur, die sich mit realen Personen unterhielt, ohne dass diese realisierten, wie er seine Fragen meinte: satirisch eben. Der Film hiess «Borat! Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan» und deckte den alltäglichen Rassismus alltäglicher Amerikaner auf.

Cohen spielte in dem Film einen fröhlichen Rassisten aus dem Fernen Osten, der über Zigeuner, Juden, Homosexuelle, Frauen und andere nur das Schlimmste sagte. Seine Gesprächspartner reagierten begeistert auf die Figur. Wenn auch wütend auf die spätere Erkenntnis, dass sie genarrt worden waren. Viele von ihnen klagten vor Gericht, alle Klagen wurden abgewiesen.

Neue, prominente Opfer

«Ich bin der meistverklagte Schauspieler der Welt», sagte Cohen, der zu Beginn seiner Karriere einen schwitzenden Rabbiner parodierte. Cohen, 1971 in London geboren, ist Jude und wurde jüdisch erzogen. Er studierte Geschichte in Cambridge. Seit acht Jahren ist er mit der australischen Schauspielerin Isla Fisher verheiratet, das Paar hat drei Kinder.

Jetzt hat der Brite in den USA neue, prominente Opfer gefunden. Cohen interviewte in wechselnden Rollen amerikanische Politikerinnen und Politiker wie die Republikaner Dick Cheney und Sarah Palin, die Demokraten Bernie Sanders und Howard Dean oder den Journalisten Ted Koppel. Die Gespräche werden ab dieser Woche unter dem Titel «Who Is America?» in den USA und England als Serie ausgestrahlt.

Man sieht darin zum Beispiel Cheney eine Plastikflasche signieren, die ihm als Teil eines Waterboarding-Kits beschrieben wird, also als Teil eines Folterinstruments. Sarah Palin wiederum liess sich von einem Mann interviewen, der sich als Dr. Billy Wayne Ruddick Jr. ausgab, im Rollstuhl angefahren kam und auf seiner Internet-Site Verschwörungstheorien verbreitet: Obama kommt aus Kenia; in Deutschland gilt die Scharia. Der Mann hinter allem: Sacha Baron Cohen. Sarah Palin reagierte auf Cohens Outing, nannte seinen Humor «böse, ausbeuterisch und krank», was natürlich medial breit diskutiert wurde. Der Kranke muss ausser sich sein. Vor Freude.

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