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Hormon u Jahresänd

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt hat die Ehre die letzte Mundart-Kolumne des Jahres 2017 zu schreiben.

Geng we me die letscht Kolumne vom Jahr schrybt, ischs wider das Ding mit dr letschte Kolumne vom Jahr. Me dänkt, es syg öppis Bsundrigs. Drby ischs nid. Aber trotzdäm äbe scho. Äbe die letscht im Jahr. U hüür empfinden i das fasch no stercher aus süsch.

S het äuä mit em Schnee z tüe. Wo hüür so wunderbar früech isch cho. So, wie i de letschte Jahr nümm. Dä Schnee, wo d Wäut zuedeckt. Son es wysses Jahresänd, wos matschet u pflotschet, wo me scho vor Wienacht geit go schyle, schlittle, Schneemanne boue. U chuum falle die erschte grosse Flocke, gsehn i myni Fründin Katrin vor mr, wie sie dennzmal uf em Primeler Pouseplatz desumegumpet, göisset u die Fröid het, wos eim fasch verbäset, wo fasch nume Chind so chöi zeige. Im Momänt o my Bueb, das Lüchte i sym Gsicht, we d Flocke falle, einzigartig härzig.

I myre Erinnerig isch früecher ds Jahresänd geng wyss gsi. Guet, me weiss, Erinnerige sy flexibel, sy nach nöischte Studie sogar so manipulierbar, dass me sech a Züüg pbsinnt, wo me nie erläbt het. Aber s git ja die Fotis us dr Chindheit – u die zeigen e Wäut, wo komplett zuedeckt isch mit Schnee.

U itz o wider. Wysses Jahresänd. Und drum aues guet wöuen abschliesse, d Lüt guet wöue verabschiede, in Fride wöue usenang gah, ds Jahr guet ände. Wöu me weiss nie. Vilecht han i das hüür o so starch, wöu sech im Umfäud vili befründeti Eutere trenne. Familie sech ufschpalte. Mit Chind im Auter zwüsche drü u sächs. S git Wüsseschaftler, wo säge, das syg dr Vierjahresryhtmus, rein genetisch. S gieb es Hormon, das tüeg vier Jahr lang für erotischi Spannig sorge. Auso eigentlech d Zytspanni, um es Chind z mache, z becho, z stille und abzstille. U nach vier Jahr syg eigentlech fertig.

Auso d Hormon? Aues genetisch? Wie isch das de früecher gsi? Wie het mes da gmacht? I de Achzgerjahr sy myner Eutere mit ihrer Scheidig ömu no en Usnahm gsi. Ja, vili chöi u wei hüt eifach dä Alltag nümm ushaute, das komisch-grüslige Mönschterli, wo sech hüfig i de Beziehige u Familie breitmacht.

Ertrage und ushaute giut hüt nume aus negativ. U ds Gägeteu isch dr Zytgeischt. Öpper passt nümm, me bruucht öpper angers, öpper, wo besser passt. Auso rächt neoliberalistisch. D Wärbig machts vor: «Ich bin so frei» (Nestlé) – «my way» (Burger King) – «Liberté, toujours» (Gauloises Blondes) – «Hör auf deinen Durst» (Sprite) – «Wohnst du noch oder lebst du schon?» (Ikea) – «switch» (Apple) – «Its time to change» (O2).

Drum Läbesabschnittpartner, faus überhoupt no Partner. Und o üses Syschtem hiuft nid, dass d Lüt wei zämeblybe. So viu Druck i de Familie u zwüsche de Paar. Rollebilder, Chinderbetreuuig, Choschte, Doppelbelaschtig, Zwangsmobilität. Aber was, wes scho bi däm hie happeret: Vier vo üsne siebe Bundesrät hei im Oktober 20 Tag Vaterschaftsurloub abglehnt. Hoffentlech büesse dr Maurer, Cassis, Schneider-Ammann u Parmelin drfür. Zum Bischpiu mit Grosschind, wo nüt mit ne wie z tüe ha, wo ke Zyt hei, se im Autersheim go z bsueche.

Iu, ds Jahresänd. Nid nume Melancholie im Schnee. Nid nume Gans u Güezi. S geit o süsch wyter. Und i möcht mi entschuldige, dass i nid so feschtlech bi. Sorry, s isch e Charakterzug, oder vilecht sis ja sogar d Hormon.

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