Geng chly fächerle

«Mundart»-Kolumnistin Renée Maria Bellafante hat ihr berndeutsches Lieblingswort gefunden: Chuderluri.

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Ha ne Fächer gschänkt übercho. E Fächer isch es super Gschänk. We s so richtig heiss isch, ischs di eifachschti Art, wi de zum ne Bitzeli Chüehlig chunnsch. Chasch ne überau mitnäh u de gsehsch ersch no gedige us, we d so umefächerlisch. Ganz locker u früsch, o we s der derwyle vor u hinge abelouft. Aber mit Contenance. I meinti geng chly Nyd z gspüre. Vilech vo settige, wo sech nid derfür hätte, eifach überau ds Fächerli füreznäh u d Luft z bewege. I dänke de aube: I bewege d Luft; teu gäbe nume Luftbläterli vo sech – das isch Styl!

Me cha ds Fächerli o bruche, für ugueti Sache wägzwädle. Oder we eim öpper längwylet, cha me so ganz fyn vor sech härewädle u hoffe, dass dä Chrueg gly a eim verbygöng. So chly snob – aber schön! Item. I choufe Fächer, wenn i se gseh. Meischtens grad im Multipack u märte der Prys no abe. De bringen i aune, wo eine bruche u möchte, eine mit. So chöme geng meh i Gnuss vo früscher Luft u der Fächerli-Philosophie. Me het mit Vorteil sowiso geng mehreri. Eine i der Täsche, eine vor em Fernseh, eine im Büro – mindischtens. Itz han i auso eine meh. Är isch öppe so gross wi nes grössers Sackmässer u öppe glych scharf. Vor druff isch uf gäubem (summerlechem) Grund es Biud vom Rudolf von Tavel u ner chunnt vo Vatter & Vatter u der Stiftig Rudolf von Tavel. E Wortfächer. Drum sägen i o scharf wi nes Sackmässer.

Wort chöi ja o gäbig scharf sy u schnyde – oder o fyn u guet überecho, sozsäge. Uf Sametpfötli. Da isch aues müglech. Wort si ne Rychtum. Bi fasziniert. Von Tavel isch ja nid vo hüt (1866–1945), aber haut geng no schön. Geng no chly ne Art Basis, wo me gärn wider mau drylist. U d Müglechkeit, es chlyses Wörterbuech o aus Fächer chönne z benütze, isch doch eifach e Bombe. Guet, das hätt itz der Monsieur von Tavel schöner usdrückt. I wirde zuekünftig a mym Bärndütsch fiele. Vilech merkt mes de, myner sehr verehrte Dame u Herre.

U we mi d Lüt frage, win i de Bärndütsch schrybi, ob s Regle gäb, ob i es Wörterbuech heig oder ob i eifach schryb, wi s grad so chunnt – de chan i locker säge: Herrschafte, i schrybe, wi s chunnt, guet, hie und da e Blick i ds bärndütsche Wörterbuech vo von Greyerz/Bietenhard, aber i fächerle. Di Wort im Fächer si nämlech separat uf feschte Bletter, wo von e re Art Schrübli zämegha wärde. De chasch das so cool usenangblettere u jedes Wort u jede Usdruck schön ynezieh. Eis um ds angere, wi feini Pralinés. Ha no nid aui gläse u kenne o nid aui, aber eis vo myne Lieblingswort han i scho gfunge: ds Chuderluri. Nachlässig frisierte Frau. Das gfaut mer haut. Das het so nes birebitzeli öppis vo Widerstang. Nid jedes Häärli a sym Plätzli. We d chly fächerlisch, auso chly zimlech, de passiert das. Wirsch zum Chuderluri.

Löt nech itz aber nid la déroutiere. E schöni Frisur isch e schöni Frisur u macht e rächti Gattig – aber es Milimü Gchuder macht e Frisur spannender. So ischs myr Meinig nah o mit der Sprach. Wurd me hüt mit em Monsieur von Tavel brichte, de meinti är sicher o, es passier itz nid grad es Ungfell wäge re chly changierte Wortwahl. Me sött allwäg eifach ke allzu usgeprägti Gäxnase wärde u meine, me wüssi alles u heig nüt meh derzuezlehre. Das wär de lätz. Aber schön isch halt, dass me under Zhilfnahm vo Wort cheibe guet mitenang cha ziggle.

We in e re Rundi d Red uf d Dialäkte chunnt, wirds fasch immer luschtig. We jede seit, was är aues für Wort für «Öpfugröibschi» oder «Söiblueme» kennt oder brucht, de gits i der Regel fei e chly z lache u jedes Ys bricht. U ne Löl isch u blybt e Löl oder Löu, win ig würd säge, u Fake News blybe eifach Chutzemischt oder Chabis. Jedefaus gseht Der itze, dass Fächerle eifach en erfrüschendi Sach isch u Ufheiterung bringt – u när cha me ds Fächerli wider schön zämetue u i ds Rydyggüli (chlyses Damehandtäscheli) oder haut o i my Rucksack versorge. Bis zum nächschte Mal, oder Mau, gället Monsieur von Tavel. Mir blybe dranne u hoffe, Dir syget nid blessiert bi ugrader Wortwahl. (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2018, 06:28 Uhr

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