Was Mona Vetsch über Liebe ohne Grenzen gelernt hat

Heute startet die neue «Hin und weg»-Serie des SRF. Moderatorin Mona Vetsch über den Beziehungstest Auswandern.

Der Trailer zur neuen «Hin und weg»-Serie von SRF. Quelle: SRF


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«Liebe fragt nicht nach dem Pass. Liebe kann grenzenlos sein.» Dieses Intro zur neuen «Hin und weg»-Serie auf SRF mag abgedroschen klingen. Doch die Sendung hält mehr bereit als nur Romantik.

In fünf Folgen «Schweizer Liebesgeschichten aus aller Welt» berichtet Mona Vetsch, wie sich Menschen verlieben und für die Liebe alles hinter sich gelassen haben. Die Zuschauer lernen Bernard Imhasly aus dem Wallis kennen. Vor 50 Jahren verliebte er sich in die Inderin Rashna Gandhy. Ihre Liebe hält bis heute. Ob es auch um Sarah und Milan so gut bestellt sein wird, muss sich erst noch zeigen. Die Schweizerin und der Serbe haben sich noch gar nie in die Arme schliessen dürfen, sondern erst stundenlang telefoniert.

So begeistert, wie viele der Paare über ihr Kennenlernen sprechen, könnte man meinen, dass die Serie ein leicht verdauliches Wohlfühlprogramm für den Feierabend wird. Doch bereits nach der ersten Folge ist klar: Die Verliebten halten der oft als weltoffen angepriesenen Schweiz und ihren Bewohnern den Spiegel vor.

Für die einen war die Ankunft in der Schweiz im wörtlichen Sinne eisig. Für die anderen hiess es, die Auswanderung aus der Schweiz rechtfertigen zu müssen. Und auch sonst kriegt der Zuschauer von den Protagonisten so einige kritische Fragen beantwortet. Fragen, die man sich oft nur selber stellt, weil man sich nicht traut, direkt jene zu fragen, die in einer binationalen Beziehung sind.

Peter war von Beginn weg Feuer und Flamme für Jeanette aus Malaysia. Doch sie liess ihn zuerst ein bisschen warten. Bild: SRF

Treffen kann die Liebe jeden. Auch Schweizerinnen und Schweizer, Inderinnen oder Türken, die gar nie haben auswandern oder sich in jemanden aus einem anderen Land verlieben wollen.

Im Interview erzählt Moderatorin Mona Vetsch, was die Zuschauer in der neuen Serie erwartet und was sie persönlich aus all den Liebesgeschichten gelernt hat. Wie den Protagonisten in der Sendung, bietet Mona einem (auch dem «Tages-Anzeiger») gleich zu Beginn das Du an.

Hattest du schon einmal eine binationale Beziehung?
Nein (lacht). Ich stelle mir das schwierig vor, jemanden näher kennen zu lernen, wenn man ihn sprachlich noch gar nicht richtig versteht und auch die Zwischentöne nicht raushört. Für unsere Paare schien das aber eine relativ geringe Hürde gewesen zu sein. Es waren eher die Schwiegereltern, die unter der Sprachbarriere litten.

Wie kam es denn zu dieser Sendung?
Die Idee entstand aus einer SRF-3-Sendereihe, in der wir Menschen aus 170 Nationen porträtierten, die in der Schweiz leben. Die schönsten Geschichten haben wir von Leuten gehört, die der Liebe wegen in die Schweiz gekommen sind. Nun wollten wir den Spiess auch umdrehen: Wer wandert denn von der Schweiz aus, um seinem Herzen zu folgen, und was muss diese Person haben, für die man es wagt, auszuwandern?

Was sind das denn für Leute, die der Liebe wegen auswandern?
Viele wollten eigentlich gar nie weg. Und doch standen sie irgendwann am Punkt, an dem sie sich fragten: Woran hänge ich mehr, an meiner Heimat oder meinem Herzen? Das ist eine sehr radikale Entscheidung.

Seit 50 Jahren glücklich verheiratet: Bernard und Rashna Imhasly-Gandhy. Die beiden leben in Bern und in Mumbai, Indien. Bild: SRF

Du hast tief in Beziehungen und Ehen geblickt. Was erwartet uns als Zuschauer?
Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Die Paare stehen an unterschiedlichen Punkten in der Beziehung und im Leben. Sarah und Milan lernen sich erst gerade kennen, Rashna und Bernard sind seit 50 Jahren verheiratet. Sie alle bringen die verschiedensten kulturellen Hintergründe mit. Oft ist es so, dass der eine Partner alles zurücklässt, während sich für den anderen nicht so viel ändert. Das kann leicht zu einem Ungleichgewicht führen. Auswandern ist also auf jeden Fall ein Beziehungstest.

Und auszuwandern ist ja auch etwas anderes, als Ferien zu machen in einem fremden Land …
Ja, genau. Wenn man jemanden aus und in einem anderen Land heiratet, wird man kopfvoran in eine neue Kultur hineingeworfen.

«Die Liebe hat einen Preis. Nicht alle wurden in ihrer neuen Heimat mit offenen Armen empfangen.»Mona Vetsch, SRF-Moderatorin

Ein Schock?
Eher eine Chance. Du hast die Möglichkeit, sofort einzutauchen. Du bist von Anfang an in einem neuen Zuhause, wirst in eine neue Familie «integriert». Ich habe Thomas, einen Pfarrer aus dem Emmental, besucht, der in Nebraska lebt. Er hat mir erzählt, dass er Mühe mit der US-Flagge neben seiner Kanzel habe. Auch damit, dass so viele Leute, Schwiegereltern inklusive, Waffen zu Hause hätten. Aber er verurteilt niemanden, sondern findet sich damit ab, dass er in gewissen Dingen immer «ein Alien», einer von aussen, bleiben wird. Die Menschen haben ihn auch sehr herzlich aufgenommen. Er müsse mit der Möglichkeit leben können, einmal Vater von zwei Waffennarren zu sein.

Wie war es für dich, ein Stück weit die Beziehung dieser Paare auch live mitzukriegen?
Das war natürlich sehr spannend. An eine Situation erinnere ich mich besonders gut: Sarah und Milan wollten heiraten, in Belgrad. Doch Sarahs Papiere schienen nicht rechtzeitig bereit zu sein. Da stellte sie sich die Frage: Alles absagen? Plötzlich kamen die Papiere doch. Sie hat uns sofort angerufen, schnell ihre Sachen gepackt, und wir haben uns vor der Abreise kurz getroffen. In so einer Situation wird einem klar, dass das Heiraten eher pragmatisch als romantisch gehandhabt wird. Dieser Moment war für uns alle sehr schräg.

Anja ist dem Tipp eines Freundes gefolgt und hat ihren Traummann tatsächlich in Schweden gefunden. Mona hat die Familie auf dem Bauernhof besucht. Bild: SRF

Was hat dich an all den Geschichten besonders berührt?
Es ist schön, zu sehen, wenn Menschen «Ja» zueinander sagen, trotz aller Schwierigkeiten und Widerstände. Denn die Liebe hat auch immer einen Preis. Nicht alle wurden in ihrer neuen Heimat mit offenen Armen empfangen. Die Geschichten zeigen aber, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Die Liebe tröstet einen über vieles hinweg. Das berührt mich.

Was hast du von den Paaren gelernt?
Dass es nicht das Ziel ist, gleich wie der andere zu werden. Es geht nicht darum, eine andere Kultur vollständig zu übernehmen. Man soll dem anderen Platz lassen, um anders zu sein. Man soll lernen, mit gewissen Irritationen zu leben. Viele Familien haben auf diese Weise eine wunderbare eigene Mischkultur entwickelt.

«Hin und weg» wird vom 13.4-11.5.2018 jeweils am Freitag um 21:00 auf SRF 1 ausgestrahlt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2018, 19:56 Uhr

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Mona Vetsch


Bild: Keystone

Mona Vetsch moderiert die neue Dok-Serie «Hin und weg» über Schweizer Liebesgeschichten aus aller Welt. Sie ist als Bauerntochter im Kanton Thurgau aufgewachsen. Seit 1997 arbeitet sie bei SRF und führt durch diverse Radio- und TV-Sendungen.

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