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TV-Schelte: Reich-Ranicki wie einst Beni Thurnheer

Marcel Reich-Ranicki zieht über das Blödel-Fernsehen her und löst damit eine Debatte aus, die in der Schweiz vor acht Jahren gross geführt wurde. Der Fernseh-Kritiker damals: Bernard Thurnheer.

«Das Fernsehen wird immer dümmer. Das Angebot für die Dummen wird immer grösser und jenes für die Gescheiten stagniert!» Diese Aussage könnte aus der Rede von Marcel Reich-Ranicki zum Deutschen Fernsehpreis stammen. Tut sie aber nicht. Gesagt hat das Bernard Thurnheer im Jahr 2000.

Damals holte der Sportkommentator und TV-Unterhalter zu einem Rundumschlag aus. Durch das Aufkommen der Privat-Sender sei das Niveau des Fernsehens gesunken, auch jenes von SF. Zu den Reality-TV-Sendungen wie Big Brother meinte er: «Das Fernsehen ist dabei der Zoo, die Kandidaten in diesen Sendungen sind die Tiere. Wenn es für die Zuschauer zu langweilig wird, macht man die Tiere aggressiv, damit etwas läuft.»

Auch Benissimo ist kein Bildungsfernsehen

Wäre die Kritik von einem Intellektuellen wie Adolf Muschg gekommen, so hätte man sie wohl rasch als abgehobene Kulturkritik abgetan. So etwas aus dem Mund des erfolgreichsten TV-Unterhalters des Landes zu hören, löste aber heftige Reaktionen aus – zustimmende wie ablehnende.

Besonders angegriffen fühlte sich der damalige Tele24-Programmdirektor und heutige Chefredaktor der Zeitung Le Matin, Peter Rothenbühler. Im Blick schlug er zurück: «Im Vergleich zu ‹Benissimo› ist ‹Big Brother› eine literarische Höchstleistung!» Tatsächlich konnte Thurnheer den Widerspruch, einerseits die TV-Unterhaltung zu kritisieren, andererseits mit Benissimo selber nicht gerade Bildungsfernsehen zu machen, nicht glaubwürdig aus dem Wind schlagen.

Den Abschalt-Knopf drücken

Die Kritik Bernard Thurnheers hatte wohl keinen Einfluss auf das Programm, ebenso wenig, wie das Reich-Ranickis Schelte haben wird. Beide haben damit aber Sympathien gewonnen, selbst bei Leuten, die gerne ab und zu eine Blödel-Show schauen. Und auch die Statistik scheint den beiden recht zu geben: Zwar locken Blödel-Sendungen und Casting-Shows noch immer viele Zuschauer vor den Bildschirm, die Gesamt-TV-Nutzung ist aber seit Jahren abnehmend. Die Zuschauer reagieren auf schlechtes Fernsehen offenbar mit dem einfachsten Mittel: Indem sie den Abschalt-Knopf drücken.

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