Zum Hauptinhalt springen

TV-Kritik: Eva und der Glücksterminator

Pädophilie, Depression, Eifersucht: Der gestrige «Tatort» mit Kommissarin Eva Saalfeld war ein wilder Mix aus grossen Themen.

Gestern war wieder Playboy-Kommissarin Saalfeld unterwegs. Das Label ist etwas sexistisch, aber erstens korrekt (Schauspielerin Simone Thomalla posierte einst für das Männermagazin) und zweitens passend: Die letzten Saalfeld-Krimis waren nur bedingt gelungen – erreichten aber trotzdem gute Quoten. Thomalla sei Dank.

In ihrem jüngsten Fall wurde Saalfeld mit ihrem Partner Keppler, der auch ihr Ex-Mann ist, an einen besonders traurigen Tatort gerufen. Ein frisch vermähltes Paar wurde am Ufer eines Sees erschlagen. Die Kommissare vermuteten den Täter unter den Hochzeitsgästen und baten sie zur Abgabe einer Speichelprobe ins Präsidium. Florian Koll, ein enttäuschter Exfreund der Braut, folgte dieser Vorladung nicht. Da wusste der Zuschauer natürlich: Zu leicht. Der ists schon mal nicht.

Saalfelds Ex-Liebe

Tatsächlich erfuhren Saalfeld und Keppler bei ihren weiteren Ermittlungen von der Grossmutter der ermordeten Braut, dass ein Familienmitglied bei der Hochzeit nicht eingeladen war. Zwischen dem Vater der Braut und ihrem Onkel hatte es vor Jahren einen erbitterten Streit gegeben. Und so kamen die Kommissare einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur. Der Onkel hatte die Braut als Kind drangsaliert.

Wer nun aber eine beklemmende Studie menschlicher Abgründe erwartete, wurde enttäuscht. Der Film verliess den Inzest-Strang so schnell wie er ihn aufgenommen hatte. Stattdessen rückte eine weitere Figur ins Licht; Saalfelds Jugendliebe, ein Kriegsfotograf, der nach Jahren nach Leipzig zurückgekehrt war. Seltsamerweise war er auch am Tatort, wo er die toten Brautleute fotografierte. Und auch als eine junge Abiturentin ermordet wurde, war er zur Stelle. Und siehe da: Eine Verschlusskappe, die Keppler direkt neben der Leiche fand, fehlte an seiner Kamera.

Weil der Fotograf nach seinen Einsätzen in Kriegsgebieten Depressionen hatte und sich vor lauter innerem Schmerz ständig an den Kopf fasste, wusste man leider auch bei ihm sofort: Zu offensichtlich unheimlich, der kanns nicht gewesen sein. So kam auch nicht wirklich Spannung auf, als Saalfeld sich von ihm zum privaten Candlelight-Dinner einladen liess.

Es war der Layouter

Pädophilie, posttraumatisches Belastungssyndrom, Eifersucht: Der gestrige «Tatort» war ein Potpourri an Themen und Motiven. Dazu kamen überforderte Nebendarsteller, wie die Eltern der Mordopfer, die aus Trauer zusammenbrechen mussten oder traumatisiert dreinschauen sollten. Ganz am Schluss gings dann ums eigentliche Thema: Das Glück beziehungsweise wie ungerecht dieses in der Menschheit verteilt ist.

Der Täter war nämlich ein Layouter, der zufällig mit dem berühmten Kriegsreporter bei der gleichen Lokalzeitung (!) arbeitete, und der seine Familie bei einem Autounfall verloren hatte. Seither hasste er glückliche Menschen und räumte sie aus dem Weg. So geriet ganz am Schluss auch Saalfeld in das Visier des Mörders, natürlich als sie gerade nackt ein Bad nahm. Doch weil Keppler dem Mörder während des Showdowns erzählte, dass er und sie einst ein Kind verloren hatten, liess der Glücksterminator sie gehen.

In einer früheren Folge wurde der plötzliche Kindstod von Saalfelds und Kepplers Baby schon einmal dramaturgisch ausgeschlachtet - und als Grund für die Trennung des Paars eingeräumt. Nun wird es Zeit, dass die beiden wieder zusammenkommen oder zumindest was miteinander haben. Denn die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt - leider ist es meistens das einzig Stimmige in den Leipzig-Tatorten.

Was finden Sie? Meinungen bitte unten eintragen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch