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TV-Kritik: Der Hitsendung gehen die Hits aus

«Die grössten Schweizer Hits» ist eine grossartige Sendung. Bei der neuen Staffel gibts aber ein Problem: Die guten Lieder und Filmchen sind alle bereits in früheren Sendungen verbraten worden.

Schon zu Beginn schwelgten Sven Epiney und seine Kollegen gestern in Nostalgie. Dabei war nicht etwa von einem alten Schweizer Musik-Hit die Rede, sondern von der letzten Runde der «grössten Schweizer Hits». «Als es fertig war, sagten die Leute, sie wüssten gar nicht mehr was machen am Sonntag», erzählte Bernard Thurnheer, und auch Francine Jordi und Roman Kilchsperger wirkten wehmütig. Die Wehmut war berechtigt, wie sich im Verlauf der Sendung herausstellte: Weder von der Spritzigkeit, noch von den Überraschungseffekten her kam die Sendung an die vorhergehenden heran.

Dabei ist bei der neuen Staffel alles wie gehabt. Das Dekor ist ganz ähnlich, die vier Personen in der Plauderrunde sind dieselben, das TV-Studio wurde zwar von Zürich in die Eishalle nach Kreuzlingen verlegt, doch ausser, dass dort ein paar Zuschauer mehr Platz finden, ist kaum ein Unterschied spürbar. Und auch die Musikauswahl ist noch immer wunderbar kreuz und quer. Jodler, Rapper und Hardrocker folgen kurz hintereinander, wo sonst gibts das schon?

Alle waren schon mal da

Und doch lässt die Sendung kaum mehr so aufhorchen wie auch schon, man staunt und lacht weniger über die alten Kostüme, Frisuren, Dekors. Stattdessen fragt man sich bei jedem Musiker, bei jedem Lied: Waren die nicht schon letztes Mal dabei? Das Gefühl täuscht nicht. Krokus, Lys Assia, Paola etc. waren bereits einmal in der Sendung zu Gast oder zumindest in einer Videoeinspielung zu sehen. Der Fundus an Hits und vor allem an Hit-Musikern in der Schweiz erweist sich als zu klein für sechs zusätzliche Sendungen. Oder positiv formuliert: Die TV-Macher haben bei den letzten Staffeln so gut gearbeitet, alle prägenden Bands und Sänger eingeladen und alles Sehenswerte in den Archiven ausgegraben, dass kaum mehr etwas übrig bleibt.

Und weil die Archive im Musikbereich bereits geplündert sind, bedient sich die Sendung nun bei anderen Gattungen. In den Rückschaufenstern, den «Hitboxen», kommen neuerdings TV-Sendungen, Kinofilme oder Kabarettisten zum Zug. Da wird gezeigt, wie jung Beni Thurnheer beim «Tell Star» war, wie wenig sich der «Samschtig Jass» über die Jahrzehnte verändert hat, wie das Trio Eugster in der Sendung «Zum doppelten Engel» eine Polonaise anführte. Aber auch, wie schlecht der Skifahrer Franz Heinzer Englisch sprach oder wie lächerlich Adolf Ogis Neujahrsrede 2000 war.

Epineys Grippe

Das wirkte alles ziemlich willkürlich, immerhin war es amüsant anzusehen. Völlig danebengegriffen haben die Sendungsmacher jedoch bei der Hitbox mit den Schweizer Filmen. Da wurden unter anderem «Das Boot ist voll» und «Reise der Hoffnung» vorgestellt. Beides bitterernste Filme, die auch im Rückblick alles andere als zum Lachen sind. Die Prominenten, die zu den Einblendungen lustige Sprüche klopfen sollten, blieben plötzlich ziemlich stumm.

Dass die Sendung nie richtig in Fahrt kam, lag auch an Moderator Sven Epiney, der unkonzentriert wirkte, sich oft verhaspelte. Er habe die Grippe, entschuldigte er sich. Sven Epiney kann man nur gute Besserung wünschen und der Redaktion, dass sie im Archiv doch noch einige Kuriositäten und Raritäten aus der Musikgeschichte entdeckt. Nur dann werden «Die grössten Schweizer Hits» wieder zum grossen Schweizer Hit.

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