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TV-Kritik: Adrenalinrausch am Jasstisch

Samschtig-Jass ist eine der erfolgreichsten Sendungen des Schweizer Fernsehens. Wer sie bieder und simpel schimpft, mag Recht haben. Doch nirgends ist so sichtbar wie hier, was die Schweiz im Innersten zusammenhält.

Man mag über den Samschtig-Jass denken wie man will, die harten Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren: Erfunden hat die Sendung Kurt Felix 1967, eine nationale Grösse immerhin. Er brachte den Volkssport als interaktive Sendung ins Fernsehen. Und seither ist sie da geblieben.

Das sagt etwas übers Schweizer Fernsehen aus. Und über die Schweizer. Hat da jemand Swissness gesagt? Wer wissen will, was die Schweiz im Innersten zusammenhält, braucht sich bloss einzuschalten.

Nervenkrieg

Also los in die drei spassigen Jassrunden, das ist Adrenalin, der reine Nervenkrieg. Draussen wabert Nebel vom Thunersee zur Chemihütte hoch, drinnen ist es schön gemütlich. Wir befinden uns im schönen Aeschried. Am Tisch sitzen Monika Fasnacht und ihre Mitjasserinnen, darunter ein flottes Madel im Drindl, die Jodlerin Melanie Oesch. Und natürlich Ernst Marti, der stoische Schiedsrichter, der ein bisschen aussieht wie mit Mehl bestäubt. So wirkt auch das Publikum in der Chemihütte. Vor lauter Konzentration auf seine Rolle als Stimmungsbombe macht es einen leicht narkoleptischen Eindruck.

Fasnacht unterhält sich mit dem ersten Telefon-Jasser. Die Telefonjasser sind nur am Telefon dabei, deshalb werden sie in einer kleinen Einspielung vorgestellt. Echte Menschen, die echte Dinge tun. Keine geschleckten Promis. «Ich arbeite im Kreditwesen. Mein ganz grosses Hobby: Motorrennsport. Der Temporausch ist das grösste - fast wie beim Jassen.» Temporausch schön und gut, aber beim Differenzler fehlt ihm die Coolness, der Nächste bitte.

Das ist Andrea Bleiser. Auch sie ist nicht besonders geschickt im Jassen, dafür hat sie ein interessantes Hobby: Sie geht gern in Tracht mit Barry spazieren, ihrem Sennenhund, der die Milchkanne zieht.

Urchig, fröhlich, fetzig, urchig

Weil Spass ja sein muss, folgt nun die musikalische Darbietung. Und jetzt kommt richtig Stimmung auf mit «Oesch's den Dritten». Das ist die Jodeltruppe von Melanie Oesch, die am Grand Prix der Volksmusik den dritten Platz holte. Deshalb, so erklärt Monika Fasnacht, sind sie jetzt so etwas wie Superstars - nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland!

Die Truppe klammert sich an ihre Instrumente und grinst sich durch die Darbietung. Und Melanies Jodlerei schreckt sogar das Publikum auf: «Lustig, fröhlich, fetzig, urchig, und jetzt alle miteinander», so ihr Text. Die Zuschauer reissen die Hände hoch und klatschen mit. Ja, sie lächeln sogar.

Das ist die Schweiz, lustig, fröhlich, fetzig, urchig. Naja, vielleicht haperts etwas mit den drei ersten Qualitäten. Aber in «urchig», da sind wir Weltklasse.

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