SRF-Kulturchefin äussert sich zum «Literaturclub»-Streit

Nathalie Wappler, Chefin von SRF-Kultur, bedauert, dass die Absetzung von Moderator Stefan Zweifel mit einem falschen Zitat in einem «Literaturclub» verknüpft wurde.

«Nein, doch, nein, doch»: Elke Heidenreich und Stefan Zweifel streiten sich. (Video: Youtube/SRF)

Im Zwist um ein falsches Zitat in der April-Sendung des «Literaturclubs» und die Absetzung des Moderators Stefan Zweifel nimmt das Schweizer Fernsehen SRF nun doch noch Stellung. Kulturchefin Nathalie Wappler bedauert, dass die Vorfälle «miteinander verknüpft wurden».

Am 22. April war es im «Literaturclub» zu einem Streit zwischen Zweifel und der Literaturkritikerin Elke Heidenreich gekommen. Diese brachte ein antisemitisches Zitat des deutschen Philosophen Martin Heidegger (1889–1976) ein, das sich als falsch entpuppte. Moderator Zweifel erkannte dies in der Sendung und intervenierte, Heidenreich insistierte.

Einen Monat später gab SRF bekannt, dass Zweifel die Diskussionsleitung der Sendung abgeben müsse. Das Fernsehen machte klar, dass Diskussionen um Zweifels Rolle schon seit längerem am Laufen seien.

Der Vorfall hatte in Deutschschweizer und deutschen Medien für Aufsehen gesorgt. Sowohl die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» wie auch die «Süddeutsche Zeitung» sprachen von einem «Eklat». Einzelne Medien – und auch Zweifel – forderten vergeblich eine Stellungnahme der Redaktion zum Streit um das Falschzitat.

Zweifel als SRF-Vertreter betrachtet

Im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» sagte Wappler nun: «Es ist grundsätzlich nicht die Aufgabe der Redaktion, nachträglich zu kontroversen Meinungen in Fernsehdebatten Stellung zu nehmen.» Heidenreichs Aussage bezeichnet Wappler als «Meinungsäusserung in einer Diskussionssendung».

Aus ihrer Sicht vertrat Zweifel als Moderator in der Sendung SRF und habe mit seinem Widerspruch «ein klares Signal, auch im Namen von SRF» gegeben. «Indem er Heidenreichs Aussage zurückwies, hat SRF bereits Stellung genommen», sagte Wappler. Zweifel habe jedoch darauf verzichtet, den offenen Dissens in der Sendung deutlicher zu thematisieren.

Übergangslösung

Eine Präzisierung durch die Redaktion wurde laut Wappler diskutiert, aber verworfen, weil es «öffentlich keinen Klärungsbedarf» gegeben habe. Es sei keine Publikumsreaktion eingegangen. Nachdem aber die Angelegenheiten – Zitat und Frage der Moderation – «zu Unrecht» miteinander verknüpft worden seien, wäre ein Nachzug «wohl eine elegantere Lösung» gewesen, sagte Wappler weiter.

Zum weiteren Vorgehen sagte die Kulturchefin, die Frage um die Moderation werde bis zur Sendung vom 16. September geklärt. Für die Juni-Ausgabe werde Rainer Moritz, der schon früher einmal eingesprungen sei, die Moderation im Sinne einer Übergangslösung übernehmen.

chk/sda

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