Soft-Soldat Wermuth

Cédric Wermuth wurde für die SRF-Sendung «Vier zum Volk» während dreier Tage in die Armee eingezogen. Seine Einblicke passten nicht zum militärischen Stereotyp.

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Adrien Woeffray@adwoe

Wer an die Schweizer Armee denkt, dem kommen augenblicklich Bilder von schlammigen Hindernisbahnen und ratternden Sturmgewehren in den Sinn. Dies wird sich wohl auch Cédric Wermuth, SP-Nationalrat und Armeegegner, gedacht haben, als SRF ihn im Format «Vier zum Volk» für drei Tage in die «grünen Ferien» geschickt hat. Erhalten hat er jedoch ein «Programm light».

Nach dem Empfang durch Brigadier Stefan Christen wird Material gefasst. Wermuth, der aufgrund nicht näher erläuterter medizinischer Probleme keinen Wehrdienst leisten konnte (es aber laut eigener Aussage auch sonst nicht gemacht hätte), wird direkt zum Soldaten befördert. Anschliessend folgt ein Flug im Super Puma von Bremgarten nach Bondo – auch dies nicht die Routine in der Rekrutenschule.

Eingeteilt ist Cédric Wermuth während dreier Tage in der Genie-, Rettungs- und ABC-Truppe (zur Abwehr atomarer, biologischer und chemischer Angriffe), die von Brigadier Stefan Christen geführt wird, um «sogenannt sinnvolle Einsätze zu leisten». Diese Truppe ist laut Eigenbeschreibung des Militärs ein «wichtiger Eckpfeiler und entscheidender Partner in der Kampfunterstützung sowie der militärischen Katastrophenhilfe im In- und Ausland». Also ab nach Bondo, das im August 2017 von einem Bergsturz verschüttet wurde.

Trotz Gemeinsamkeiten wurden sie sich nicht einig

Wermuth muss schaufeln, den Bagger mit Schutt fahren und Filter des Saugbaggers auswechseln. Allem Anschein nach nicht das, was er sich unter militärischem Alltag vorgestellt hat. Dennoch Arbeiten, die er als nützlich empfindet («Irgendjemand muss es ja machen»). Im Gespräch mit Brigadier Christen drückt seine antimilitaristische Haltung dann doch wieder durch. Ob dies nicht auch zivile Truppen machen könnten, fragt er den Brigadier. Dieser stimmt ihm zu, verweist aber konsequenterweise darauf, dass dies Ausbildung und Ausrüstung der Truppen voraussetzen würde.

Cédric Wermuth und Stefan Christen treffen sich zwar menschlich – ideologisch aber gar nicht. Das Gegenteil wäre auch eine Überraschung gewesen. Und so kommt es zum Zwiegespräch über Sinn und Unsinn der Schweizer Armee, über deren Grösse, die Notwendigkeit der bewaffneten Truppen und die Priorisierung, beziehungsweise Verteilung des Budgets zur Erhaltung des sozialen Friedens in der Schweiz.

Der Abschied zwischen Cédric Wermuth und der Truppe rund um Brigadier Stefan Christen ist dennoch herzlich – selbst wenn die Fronten sich nicht gelöst haben, ringen sich beide Protagonisten zumindest zum Verständnis der Position des jeweils anderen durch. Ob dies mit dem Aufenthalt bei einer anderen Truppengattung – inklusive Schlammrobben und Schussübungen – auch so gewesen wäre, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

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