Kevin Spacey komplett entsorgt

Netflix hat die letzte Staffel des Serien-Hits «House of Cards» online gestellt. Spektakulär ist, wie man die Figur des gefallenen Hauptdarstellers rausgeschrieben hat.

Neu übernimmt Claire Underwood, gespielt von Robin Wright. Auch sie ist ein Machtmensch, durch und durch.


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«Jetzt bin ich dran» waren die letzten Worte im Finale der fünften Staffel der Polit-Serie «House of Cards». Gesagt hat sie Claire Underwood, die als US-Vizepräsidentin gerade ihren Mann, Präsident Frank Underwood, entmachtet hatte. Das war im Mai 2017. Ein paar Monate später zeigte sich Claires Satz als prophetisch: Frank-Underwood-Schauspieler Kevin Spacey wurde untragbar, als bekannt wurde, dass er einen Minderjährigen missbraucht hatte.

Die Karriere des zweifachen Oscargewinners war über Nacht zerstört, und seine Figur musste für die sechste und letzte Staffel entsorgt werden. Keine einfache Aufgabe, die Serie wurde für Spacey gemacht. Produzent Netflix hatte ihn nach einer Analyse von Zuschauerpräferenzen als Hauptdarsteller verpflichtet. Zudem war die Staffel 6 bereits geschrieben. Wovon sie damals handelte, ist unbekannt. Wahrscheinlich wäre es zu einem Machtkampf zwischen Claire und ihrem Gatten gekommen. Frank jedenfalls hatte noch gedroht, Claire umzubringen.

Nun kam es umgekehrt: Frank ist tot, im eigenen Bett gestorben. Doch Fans von «House of Cards» wissen natürlich, dass in dieser Serie niemand eines natürlichen Todes stirbt, schon gar nicht Oberintrigant Frank Underwood. Hat Claire ihn getötet? Oder einer seiner vielen Feinde, die er seit dem Serienstart 2013 angehäuft hat? Die Auflösung des Mordrätsels erfolgt erst in der allerletzten Szene.

«Vermissen Sie Frank?»

Spaceys Gesicht wurde komplett aus der Serie entfernt. Als Claire an Franks Sarg steht, sieht man nur seine Hände. Und einmal guckt sie – wie Frank es getan hat – in die Kamera und wendet sich an die Zuschauer: «Vermissen Sie Frank? Alles, was er sagte und tat, war eine Lüge.» Deutlicher kann sich Netflix nicht vom Star distanzieren.

Die finale Staffel ist nicht das Desaster, das viele erwartet haben, als Spacey wegfiel. Allerdings leidet auch sie am Problem, das «House of Cards» hat, seit die Serie nicht mehr von politischer Machtergreifung handelt, sondern den Job des US-Präsidenten ausleuchtet. Wie Frank hat Claire keine politische Vision. Als Referenz an #MeToo liest sie zwar Simone de Beauvoir, aber auch sie verliert sich letztlich in Ränkespielen, die abstrus und ermüdend sind – und von der Trump-Realität längst überboten wurden.

House of Cards, Staffel 6, ist bei Teleclub erhältlich. Auf Netflix Schweiz ist die Serie erst im Frühjahr zu sehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2018, 09:10 Uhr

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