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«Noch nicht mal DJ Bobo hat gestört»

Einmal mehr polarisiert der Schweizer «Tatort». Einige deutsche Medien überraschen mit Lob – jedoch eher nach dem Motto «Es hätte noch schlimmer kommen können».

«Auch DJ Bobo kann nichts mehr retten», schreibt die FAZ enttäuscht.
«Auch DJ Bobo kann nichts mehr retten», schreibt die FAZ enttäuscht.
Screenshot Faz.net
Für die «Welt» ist der Schweizer «Tatort» zu verwirrend.
Für die «Welt» ist der Schweizer «Tatort» zu verwirrend.
Screenshot Welt.de
«Mehr persönliche Schicksale als in einem Dostojewski-Roman sorgen für Verwirrung.» Die «Stern»-Kritik fällt negativ aus.
«Mehr persönliche Schicksale als in einem Dostojewski-Roman sorgen für Verwirrung.» Die «Stern»-Kritik fällt negativ aus.
Screenshot Stern.de
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«Der Schweizer ‹Tatort› ist das Sorgenkind unter den ‹Tatorten›», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» und fasst damit zusammen, worin sich die deutschen Medien einig sind. Vor diesem Hintergrund lesen sich auch die meisten Kritiken zur neusten Schweizer «Tatort»-Folge «Der schmutzige Donnerstag».

«Umso verwunderter rieb man sich am Sonntag die Augen, wie mühelos und unaufgeregt den Schweizern in der Folge ‹Schmutziger Donnerstag› die Etablierung der erst zweiten lesbischen ‹Tatort›-Ermittlerin nach Lena Odenthal gelang», schreibt die «Rheinische Post», die sich eben noch schaudernd an die «atemberaubend schlechte Folge» erinnerte, mit der sich SRF vor anderthalb Jahren in die «Tatort»-Gemeinschaft zurückgemeldet hatte. Die «jämmerliche Bettszene der unsäglichen ‹CSI: Miami›-Darstellerin Sofia Milos» hat die Zeitung offenbar bis heute noch nicht verdaut. Umso überschwänglicher fällt das Fazit aus: «Noch nicht mal DJ Bobo hat gestört.» Wenn SRF dieses Niveau halten könne, sei es endgültig in der «Tatort»-Welt angekommen.

Noch begeisterter zeigt sich Serienjunkies.de: «Welch ein Glanzstück, das dem Regisseur des neuen ‹Tatort› aus Luzern da gelungen ist! So entfaltet sich ein gut besetzter Krimi, der bis zum Schluss packend bleibt.» Besonders die Nebendarsteller vermögen zu überzeugen. «In seinem kurzen Auftritt als von Weinkrämpfen geschüttelter Augenzeuge leistet beispielsweise Max Hubacher ganze Arbeit.»

Die «Süddeutsche Zeitung» lobt zwar die «schöne Musik» und die «wunderbaren Bilder», stellt jedoch etwas resigniert fest: «Das Image der Luzerner Krimis war dermassen im Eimer, da haben sie es mal richtig krachen lassen. Man nennt das den Mut der Verzweiflung.»

«Nüchtern unter Betrunkenen»

Das wars auch schon mit dem zweifelhaften Lob. Die FAZ findet im Gegensatz zur «Rheinischen Post», «auch DJ Bobo kann nichts mehr retten». «Trotz alemannischer Fasnet und viel Alkohol bleibt der Schweizer ‹Tatort› kreuzbrav. Spannung und Humor sucht man unter der Verkleidung vergeblich», schreibt die Kritikerin enttäuscht. Auch die «Welt» ist alles andere als begeistert. «‹Schmutziger Donnerstag› vermittelt das Gefühl, nüchtern unter Betrunkenen zu sein», schreibt die Zeitung und kritisiert auch die «holprige Synchronisation», die diesen «Tatort» noch schwerfälliger mache. «Offenbar ist es leichter, aus dem Amerikanischen ins Deutsche zu synchronisieren als aus dem Schwyzerdütschen.»

Mit Verständnisproblemen der inhaltlichen Art hatte der «Stern» zu kämpfen. Zwar gebe es keinen nachsynchronisierten Dialekt mehr, der als stümperhaft bemängelt wurde. Dennoch lasse sich die Handlung nicht leicht verstehen, schreibt die Journalistin. «Levy hält das breite Fernsehpublikum für ‹manchmal sträflich unterschätzt› und hat statt auf Verständlichkeit und Logik eher auf Authentizität und Lebendigkeit gesetzt», bemängelt sie und setzt noch einen drauf: «Viele parallele Handlungsstränge und mehr persönliche Schicksale als in einem Dostojewski-Roman sorgen für Verwirrung.»

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