«Man brachte uns in ein bewachtes Haus, wo Assad wartete»

Sandro Brotz interviewte Bashar al-Assad in Damaskus. Wie es dazu kam und was der Machthaber vom SRF-Mann wissen wollte.

Vorbereitung auf das Interview: Moderator Sandro Brotz und Produzentin Samira Zingaro in Damaskus. (Bild: Sandro Brotz/SRF)

Vorbereitung auf das Interview: Moderator Sandro Brotz und Produzentin Samira Zingaro in Damaskus. (Bild: Sandro Brotz/SRF)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Brotz, Sie haben ein Interview mit Assad gekriegt. Wie kam es dazu?
Ich stellte bereits Anfang Jahr eine erste Anfrage für ein Interview und ein Visum beim syrischen Konsulat in Genf. Zusätzlich verfasste ich einen offiziellen Brief im Namen des Schweizer Fernsehens und hatte Kontakt zum Informationsministerium in Damaskus, von dem wir erfuhren, wir seien auf einer Liste. Danach hörten wir lange nichts mehr. Vor 10 Tagen haben wir dann ein Telefon gekriegt, dass das Interview stattfinde und die Visa an der Grenze bereitgelegt würden.

Warum sollte Assad ausgerechnet dem Schweizer Fernsehen ein Interview geben?
Ich kann nur spekulieren, warum er es uns gegeben hat. Möglicherweise hat es mit der Rolle der Schweiz als Gastgeber für die Syriengespräche zu tun. Vor dem eigentlichen Interview führten ich und unsere mitgereiste Produzentin ein Vorgespräch mit Assad. In den 10 Minuten redeten wir miteinander über verschiedene Themen und der syrische Präsident wollte von uns wissen, wie die Schweiz ihre Rolle in diesem Konflikt sehe. Möglicherweise besteht hier also ein Zusammenhang.

Die syrische Regierung hat die Bedingungen rund um das Interview definiert. Was muss man sich darunter vorstellen?
Wir hatten keine Einschränkungen, was das Interview selbst betrifft. Ausser, dass wir es in ganzer Länge ausstrahlen müssen. Das machen wir heute Abend auch, allerdings eingebettet in Analysen und Einordnungen von Assads Aussagen, was ganz wichtig ist. Vor Ort lief es so ab, dass wir wiederholt in den Präsidentenpalast gerufen wurden, um die Bedingungen noch einmal durchzugehen. Vom Palast aus brachte man uns dann mit dem Auto nach Damaskus in ein bewachtes Haus, eine Art Residenz, in der Assad schon wartete. Nach dem erwähnten Vorgespräch zu dritt allein mit ihm in einem Raum ging es in ein vorbereitetes Studio, wo das Interview stattfand, das Kameraleute der syrischen Regierung filmten.

Wie haben Sie Assad als Person wahrgenommen?
Ich habe ihn als sehr selbstbewusst wahrgenommen. Assad ist felsenfest überzeugt von seinen Aussagen und Handlungen und sieht sich als Beschützer des syrischen Volkes. Ich habe klar den Eindruck erhalten, dass er wirklich davon überzeugt ist, richtig zu handeln. Als ich ihn darauf ansprach, was er bei Vergleichen mit Adolf Hitler und Saddam Hussein empfinde, schien ihn das eigentlich nicht zu interessieren.

Warum sollte man einem solchen Machthaber überhaupt eine Plattform geben?
Jeder Journalist auf der Welt würde die Möglichkeit für dieses Interview wahrnehmen. Unser Job ist es, kritisch nachzufragen und mit dieser Intention ging ich auch nach Syrien. Ich wollte und musste diese Fragen stellen, die die Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen. Wenn es Einschränkungen gegeben hätte, man also gewisse Bereiche nicht hätte ansprechen dürfen, wären wir auf das Angebot der syrischen Regierung nicht eingegangen.

Ist das Interview so gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Entscheidend war, dass wir diejenigen Fragen stellen konnten, die wir uns auch vorgenommen haben. Es ist aber auch klar, dass Assad logischerweise auf seinem Standpunkt beharrte. Trotzdem stehen wir an einem Ort, an dem wir diese Fragen stellen müssen. Assad ist der Hauptakteur des schlimmsten Krieges der jüngsten Zeit und mit gravierenden Vorwürfen konfrontiert, zum Beispiel mit Massenvernichtungswaffen oder Foltergefängnissen – auch darauf haben wir ihn angesprochen. Zudem habe ich mir auch erlaubt, ihm ein Bild dieses Jungen zu zeigen. Man muss den mutmasslichen Verursacher dieses Leids damit konfrontieren. Das haben wir gemacht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2016, 13:54 Uhr

Artikel zum Thema

Sandro Brotz interviewt Syriens Diktator

Video Der SRF-Moderator hat für die Sendung «Rundschau» die Gelegenheit erhalten, den syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu interviewen. Er zeigt ihm Fotos verletzter Kinder. Mehr...

Assad gibt USA die Schuld an Ende der Feuerpause

Der US-Luftangriff sei kein Versehen gewesen, sondern «definitive Absicht». In einem Interview macht Bashar al-Assad Washington schwere Vorwürfe. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Kommentare

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Die Welt in Bildern

Golfen für Frühaufsteher: Südwestlich von Paris versammeln sich die Zuschauer um die Probeschüsse der Profis am 42. Ryder Cups auf dem Le Golf National Course mitzuverfolgen. (26. September 2018)
(Bild: Franck Fife) Mehr...