Michael Elsener witzelt, Markwalder kreiert Hashtag

Auf SRF feierte der Satiriker Premiere mit «Late Update». Wie wars? Gar nicht lustig fand es die Berner Nationalrätin Christa Markwalder.

Im Vorfeld waren die Erwartungen gross. Nach der Premiere der Satiresendung stellte sich gestern eher Ernüchterung ein. Quelle: SRF

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Endlich hat die Schweiz nach «Giacobbo/Müller» wieder einen lustigen TV-Abend am Sonntag. Das möchte man zumindest glauben. Doch nach der ersten Ausgabe der Politsatiresendung «Late Update» fällt einem das schwer.

Als Erstes nahm Elsener Pierre Maudet aufs Korn. Seine Reisen, wie er sich ans Amt klammert. Danach gings um die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Die EU will mehr, die Schweiz würde es lieber locker angehen, vielleicht eine offene Beziehung. Dann ein Tritt gegen Christa Markwalder. Sie kenne sich aus mit Beziehungen. «Sie hatte mal eine Beziehung mit Kasachstan.»

Obwohl die Sendung da zwischenzeitlich an Fahrt aufnahm, ging einem allgemein alles zu langsam. Die Statements und Bilder, mit denen Elsener sein Programm garnierte, kamen oft nach der Pointe. Zu spät. Vieles dauerte zu lange. Zum Beispiel das Video, in dem Elsener zu Reggae-Beats singt, wie sehr er Avocados liebt. Als wolle man zeigen, wie aufwendig es produziert ist. Immerhin: Das Making-of, das man sich in der Instagram-Story anschauen kann, gibt schöne Einblicke hinter die Kulissen.

Zu wenig starke Pointen, zu belehrend

Ein weiterer Schwachpunkt: Elsener wirkte oft belehrend (dabei ist doch Deville der ausgebildete Pädagoge). Gleichzeitig waren starke Pointen dünn gesät. Die bösen davon wirkten unpassend, da sie aus dem eher blassen Rest herausstachen. Zum Beispiel als sich der Comedian im Zusammenhang mit dem Klimawandel über die Grösse seiner SRF-Kollegin Mona Vetsch lustig machte (steigende Meeresspiegel – nicht gut für kleine Leute, wie die visuelle Darstellung von Wasser und Frau Vetsch zeigte).

Lag es auch am Studio, dass keine schmissig-satirische Stimmung aufkommen wollte? Grosser Bildschirm als Hintergrund, in Blau- und Weisstönen, massive Holz-/Schreibtischtheke, grauer Teppich. Sehr nüchtern. Bieder? Sagen wir, schweizerisch. So auch das Klatschen des Publikums. Zwischendurch verdächtig koordiniert. Vielleicht war Elsener aber auch einfach nervös – viele Ähs zu Beginn.

Dann aber das Highlight: Patti Basler, die zweite Aussenkorrespondentin. Mit der Smartphonekamera im Selfiemodus mischt sie die Albisgüetlitagung der SVP auf. Witzig, spontan, bissig, frech, schnell. Alle müssen sich metzgen mit Basler: Ueli Maurer, Carmen Walker Späh, Christoph Mörgeli, Hans Fehr. Letzterer mit dem Bügeleisen, das er an der Tombola gewonnen hat. Grossartig.

#elsenernotfunny

Elsener selbst störe sich am grassierenden Kommentarzwang, sagte er im Interview vom letzten Dezember auf die Frage, wie schmerzhaft negative Rückmeldungen seien. Der Blick auf Twitter wird ihn nicht freuen. Dort tobt seit gestern Abend eine Schlacht zwischen jenen, die den Einstand gelungen fanden, und jenen, die allerlei böse Adjektive dafür finden. Allen voran FDP-Frau Christa Markwalder. Sie kreierte dafür sogar eigens einen neuen Hashtag: #elsenernotfunny. Der Comedian antwortet, dass nächste Woche andere an der Reihe wären – Markwalder war eine seiner Zielscheiben. Doch die Politikerin präzisierte: «Ich fand die ganze Sendung konstant humorfrei und politisch links und isolationistisch orientiert. Jeder Stammtisch im Kanton Bern kennt einen besseren Humor (vor Lachen weinendes Smiley-Emoticon)!»

Nach der Sendung liess Christa Markwalder ihrer Enttäuschung freien Lauf. Quelle: Twitter

Es bleibt zu bedenken, dass «Giacobbo/Müller» auch nicht alle begeisterten am Anfang. Dann hat man das Format der beiden trotzdem lieb gewonnen, und immer wieder war richtig Kultiges dabei. Fürs Erste aber schien es tatsächlich so, als sei das Format zu gross für den Mann mit den Locken.

Wollte man vorn dicker auftragen als hinten? Laut Elsener ist die Produktion der Sendung bescheiden besetzt. Nicht wie etwa bei amerikanischen Late-Night-Formaten oder bei Jan Böhmermann, wo ganze Armeen von Pointenschreibern zugange sind und monatelang an grossen Coups gefeilt wird. Doch die Sendung zeigte auch: Patti Basler und ein Smartphone reichen, um einzuschlagen, fernab vom Avocado-Video mit Special Effects.

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