Lieber Knete als ein Kalifat

Im Dortmunder «Tatort», der nach Weihnachten verschoben worden war, überstrahlte ein Terrorakt eine konventionelle Handlung.

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Das war jetzt also der «Sturm», der als «Terror-‹Tatort›» schon lange Schlagzeilen macht: Ursprünglich für den 1. Januar 2017 geplant, wurde die Ausstrahlung nach dem Berliner Attentat auf einen Weihnachtsmarkt kurzfristig verschoben. Grund: Am Ende jagt sich ein Attentäter mit islamistischem Hintergrund in die Luft. Zu nahe an der Realität, befand man.

Jetzt, ein paar Realitäten – St. Petersburg, Stockholm, Ägypten – später, ging es doch. Und so bekam man zum Ende der Ostertage zwei Erkenntnisse frei Haus geliefert. Erstens: Die islamistischen Terroristen sind sehr jung, sehr fanatisch und sehr fremdbestimmt. Denn – zweitens – sie werden ausgenützt von Geschäftemachern (aus Deutschland und Ägypten), die sich mithilfe eines Sprengstoffgürtels und durch erzwungene Banküberweisungen bereichern wollen. Es geht also eher um die Knete als ums Kalifat. Auch wenn am Ende alles in die Luft fliegt.

Das Schlussattentat war so etwas wie eine Schock-Zugabe. Denn eigentlich hatte das Dortmunder Team seinen zehnten Fall bereits gelöst. Wobei die Kommissare einzeln agierten: Faber (Jörg Hartmann) sass die meiste Zeit mit einem Sprengstoffattentäter in einem Büro fest (was ihn nicht davon abhielt, in gewohnter Weise allen auf die Nerven zu gehen und sich wiederholt «Arschloch» rufen zu lassen). Seine Kolleginnen und Kollegen koordinierten von aussen oder strömten in die Stadt aus – wobei Kossik (Stefan Konarske) so tollpatschig auf Alleingang machte, dass bald allen klar wurde, dass dies nicht gut enden kann (auch jenen, die nicht gelesen hatten, es sei sein letzter «Tatort»).

Roter Draht? Gelber Draht? Blauer Draht?

Die Vorhersehbarkeit war ein Problem. Denn hinter dem Attentat steckte eine recht konventionelle Die-Bombe-tickt-Geschichte (ja, es gab sogar die ewige Entschärfungsszene mit verschiedenen Drähten zum Durchschneiden). Und der wahre Täter war der letzte Unverdächtige, der noch übrig blieb. So war nach 85 Minuten Feierabend. Eigentlich.

Dann aber knallt es. Alle liegen verletzt am Boden. Wie es weitergeht mit dem Rest des Dortmunder Teams, lässt dieses Ende offen. Nur unser liebstes Arschloch Faber steht schon wieder. Und torkelt herum.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.04.2017, 21:40 Uhr

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