Krieg per Knopfdruck

Der «Tatort» aus Ludwigshafen behandelt das komplexe Thema Drohnenkrieg.

Der Psychiater Dr. Steinbach wurde getötet. Lena begutachtet den Tatort, während Kriminaltechniker Peter Becker und seine Kollegen der KTU Indizien sichern. Foto: Alexander Kluge, SWR

Der Psychiater Dr. Steinbach wurde getötet. Lena begutachtet den Tatort, während Kriminaltechniker Peter Becker und seine Kollegen der KTU Indizien sichern. Foto: Alexander Kluge, SWR

Philippe Zweifel@delabass

«Vom Himmel hoch» hiess der neue «Tatort» aus Ludwigshafen. Weil bald Weihnachten ist, dachten die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer sicher an das bekannte Kirchenlied, in dem ein Engel von der Geburt Christi kündet. Doch es war kein Himmelsbote, der die Menschen aufsuchte, sondern mörderische Drohnen.

Zuerst bekam man aber eine gute alte Auftaktleiche geboten. Ein Psychiater, spezialisiert auf Kriegstraumata, war in seiner Praxis erschlagen worden. Auch eine amerikanische Soldatin, eine Kampfdrohnenpilotin der Air Base Ramstein, gehörte zu seinen Patientinnen. Hatte sie den Arzt umgebracht, weil er sie untauglich schreiben wollte? Die Frau hauste jedenfalls mit zerzauster Frisur apathisch in einer Wohnung, die schon lange niemand mehr aufgeräumt hatte – ein etwas plumper Wink an die Zuschauerschaft: Achtung, mit der stimmt was nicht!

Die Punkte sind Kinder

Ist der Drohnenkrieg notwendig und gerecht? Es ist ein komplexes Thema, dessen sich der «Tatort» anzunehmen versuchte. Drohnen, lautet ein viel gehörter Vorwurf, seien für eine grosse Zahl ziviler Opfer verantwortlich, weil sie nicht jene chirurgische Präzision besässen, die ihre Befürworter so gern behaupten. «Die winzigen herumspringenden Punkte auf dem Bildschirm», entfuhr es denn der traumatisierten Drohnenpilotin, «waren Kinder.»

Für ein Drama hätte diese Ausgangslage genügt, doch der «Tatort» ist ein Krimi, und so mussten andere Verdächtige her, weitere Missetaten passieren. Auftritt zweier kurdischer Brüder, von denen einer bei einem amerikanischen Drohnenangriff im Irak seine kleinen Söhne verloren hatte. Um auf deren Schicksal aufmerksam zu machen, plante er mit seinem Bruder einen eigenen Drohnenangriff auf den US-Staatssekretär, der in Mannheim zu Besuch war.

Zu viel aufgebürdet

Doch die Männer scheiterten kläglich, und die Handlung zappte wieder zur Soldatin, die eine der beiden Ludwigshafener Kommissarinnen entführte. Sie stahl ihr die Kleider, und weil sie zufälligerweise ähnlich aussah, gelang es ihr, ins schwer bewachte Hotel des Staatssekretärs zu gelangen – denn auch sie wollte diesen umbringen. Kommissarin Lena Odenthal konnte die Amerikanerin allerdings in letzter Sekunde erschiessen, was nun auch sie verzweifeln liess: Hatte sie eine Täterin oder ein Opfer getötet?

Die Schlusseinstellung zeigte Kranken- und Polizeiwagen aus der Drohnenperspektive, ameisenhafte Menschen, die ihrem sinnlosen Tun nachgehen. Doch das nachdenkliche Ende täuschte nicht darüber hinweg, dass sich dieser «Tatort» thematisch zu viel aufgebürdet hatte und dramaturgisch zu wenig durchdacht war. Um bei der Drohnenproblematik zu bleiben: gut gemeint, aber doch daneben. 

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