Kopper geht

Der ungeliebte «Tatort»-Kommissar aus Ludwigshafen wurde von der ARD nach Italien versorgt.

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Nach 21 Jahren und 57 Filmen war für «Tatort»-Ermittler Mario Kopper an diesem Sonntag Schluss. «Kult-Kopper» oder «Kult-Cop» nennen sie ihn nun in der Presse, aber genau das war er nicht, im Gegenteil. Statt Gangster zu jagen, durfte der Halbitaliener in den letzten Jahren seiner Kollegin Lena Odenthal vor allem gute Ratschläge erteilen oder Spaghetti und Grappa auftischen. Manchmal sah man den Mittfünfziger mit seiner Hobbyband Pink-Floyd-Coverversionen jammen.

Natürlich konnte Schauspieler Andreas Hoppe über diesen palliativen Exitus nicht glücklich sein und machte in Interviews auch keinen Hehl daraus. Kurz, das Verhältnis zwischen ihm und der «Tatort»-Redaktion war schlecht und als Zuschauer fragte man sich, wie die ungeliebte Figur von den Autoren endgültig abgeschossen würde. Mit einer Kugel? Oder würde Kopper wegen der Sinnlosigkeit seines Lebens Amok laufen und lebenslänglich eingebuchtet werden?

Koppers tatsächliches Ende wurde über seine Anfänge eingeleitet. Der Kommissar aus Ludwigshafen traf auf seinen Jugendfreund Sandro, der einst nach Sizilien zurückgegangen war. Einspielungen auf Super-8 zeigten die gemeinsame Zeit in den 70ern, wie sie als Jugendliche E-Gitarren bestaunten und für den Mafia-Film «Der Pate» schwärmten. Diese Montagen muteten ein bisschen wie eine Darbietung an einer Hochzeitsfeier an, waren thematisch aber eine hübsche Brücke zum Fall. Sandro nämlich hatte sich in Sizilien mit dem organisisierten Verbrechen eingelassen und wollte, dass Kopper ihn ins Zeugenschutzprogramm aufnahm. Prompt endete das Wiedersehen in einer Bar mit einer Schiesserei, bei der Kopper einen Mafioso über den Haufen schoss.

Ein anständiger Abschied

Darauf beging der sonst besonnene Kopper einen Fehler nach dem anderen. Er vertraute dem dubiosen Freund aus der Vergangenheit blind und tauchte schliesslich sogar ab. Irgendwann ahnte Kollegin Odenthal, dass ihr langjähriger Partner in der Bredouille steckte, aber als sie ihn stellte, zeigte sich dieser immer noch uneinsichtig.

Auf der gesellschaftspolitischen Ebene ging es um Giftmüll, den man in den 90er-Jahren in Italien losgeworden war und der nun nach Deutschland zurückkehrte, um mit EU-Geldern entsorgt zu werden. Dabei hatte die Mafia ihre Finger im Spiel. Doch die Thematik blieb Nebensache, im Zentrum stand der verwirrte Kopper und seine Beziehung zu Italien.

Schauspieler Andreas Hoppe spricht zwar kein Italienisch, hatte sich aber stets mehr Italianità für seine Figur gewünscht. Ob dies das schläfrige Gespann aus Ludwigshafen tatsächlich aufgepeppt hätte, ist zweifelhaft. Es war gestern trotz Mafia, Beichtstuhl und italienischen Bonmots jedenfalls kein berauschender Krimi, aber immerhin ein anständiger Abschied von Kopper/Hoppe. Die Schlussszene zeigte ihn an einem sizilianischen Strand, aus dem Dienst entlassen, aber mit einem Glas Rotwein in der Hand und seiner italienischen Freundin im Blick. Salute, Mario!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2018, 21:39 Uhr

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