Koks im Bauch

In Berlin ermittelten gestern neue «Tatort»-Kommissare. Rubin und Karow überzeugten aber noch nicht: zu viel Einführung, zu wenig Geschichte.

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Nach Ritter und Stark jetzt also Rubin und Karow – und so viel vorne weg: Gestern Abend ermittelte zwar ein neues Kommissarenduo in Berlin, doch der «Tatort» wurde nicht neu erfunden. Dafür wurden, wie sich das für eine Einführungsepisode gehört, die Rucksäcke der Kommissare mit allerlei emotionalem Ballast gepackt. Meret Becker als neue Kommissarin Nina Rubin gab sich in der ersten Szene dem schnellen Sex im Hinterhof hin. Zu Hause in Kreuzberg erwarteten sie Eheprobleme und zwei pubertierende Söhne. Mark Waschke als Kommissar Robert Karow zeigte sich von seiner schlechten Seite. Er demütigte ihm unterstellte Kollegen und zeigte auch sonst wenig Teamgeist. Wichtig: Sein ehemaliger Partner wurde bei einem Polizei-Einsatz erschossen. Die Umstände: rätselhaft.

Lange Einführung, kurze Geschichte

Der erste Berliner Tatort «Das Muli» mit einer Frau als Kommissarin war in der organisierten Drogenkriminalität angesiedelt. Die Mulis sind Menschen, meist Frauen, die sich gegen Exotikurlaub, Geld und andere Extras als Drogenkuriere zur Verfügung stellen. Die 13-jährige Jo war ein solches Opfer einer Drogenbande und lief mit dem Bauch voll Koks durch Berlin. Beim Premierenkrimi war der Plot aber unwichtig. Weil: langweilig, konventionell und schon hundertmal gesehen. Eine starke Dynamik entwickelte sich – trotz schnellem Schnittrhythmus – nicht. Berlin soll künftig die dritte Hauptrolle spielen. Nicht mehr nur Kulisse, sondern auch Akteur sein. Von möglichst vielen Seiten wollte Regisseur Stephan Wagner (er hatte schon den Berliner «Tatort» «Gegen den Kopf» gedreht) die Hauptstadt darstellen: Wedding und Kreuzberg spielten eine Rolle, die Armenküche am Zoo, und natürlich durfte Berlins Dauerbrennerthema, die Hauptstadtflughafen-Baustelle BER, nicht fehlen. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass er so wenigstens zu etwas nütze war.

Vollgepackte Rucksäcke

Die genaue Figurenzeichnung war Drehbuchautor Stefan Kolditz wichtig. Darum wurden Personen und Konflikte erst lange eingeführt. Verständlich, aber alles in allem war das zu viel Privatblues. Und der Handlungsstrang mit Karows geheimnisvoller Vergangenheit soll erst nach vier Folgen aufgelöst werden... Das wird ein wenig Geduld brauchen. Das Team ist eingeführt, die Rucksäcke gepackt, mal schauen, wo die Reise hinführt.

DerBund.ch/Newsnet

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