Eveline nicht ganz allein Zuhause

In der neuen SRF-Webserie «Nr. 47» werden junge Menschen erwachsen. Und merken: Wer bei den Eltern auszieht, erhält neue Freiheiten. Oder auch nicht.

Die zweite Staffel folgt bereits im Herbst 2018: Trailer zur Webserie «Nr. 47». (Video: Youtube/Nr. 47)


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Es gibt Momente im Leben eines jungen Menschen, die werden Synonym für Freiheit: Das erste Mal allein im Auto nach bestandener Fahrprüfung, zum Beispiel. Oder der erste Tag in der eigenen Wohnung, nach dem Auszug bei den Eltern. Was man in so einem Moment tut? Natürlich das, was die 20-jährige Eveline macht. Sie tanzt und isst und schraubt Möbel zusammen, denn Freiheit ist, alles auf einmal tun zu dürfen. Oder?

Eveline ist die Protagonistin der ersten Staffel von «Nr. 47». Sie arbeitete beim Kanton, ist eben bei der Mutter ausgezogen und wohnt jetzt in einem Mehrfamilienhaus mit der Nummer 47. Dort lernt sie bald drei junge Menschen im selben Alter kennen, Dominic, Kuzey und Sophie. Seit dieser Woche läuft die Webserie auf «SRF Virus» und Youtube, jeden Tag eine Mini-Episode. Mit der Serie will das SRF den Nachwuchs fördern. Drehbuch, Regie, Kamera, Musik und Schauspiel - «Nr. 47» ist ein Projekt von ausschliesslich jungen Kreativen.

Freund Yannik ist Egoist - auch im Bett

Entstanden ist dabei ein liebevoller Einblick ins Erwachsenwerden. Zu Letzterem gehört vielleicht auch die Erkenntnis, dass das Gefühl von Freiheit manchmal trügerisch ist. So wird Eveline das Alles-auf-einmal tatsächlich bald zu viel: Wohnung einrichten, Einweihungsparty organisieren, für die Prüfung lernen, der Chefin einen Gefallen tun, zum Znacht zur Mutter, mit der neuen Haus-Klique die Dachterrasse umgestalten. Und als ob dem nicht genug wäre, fängt noch Evelines Beziehung an zu kriseln. Denn ihr Freund Yannik usurpiert ihre Party und tönt an, sich bald in ihrer Wohnung niederlassen zu wollen. In ihrer ersten eigenen Wohnung! Ja, Yannik ist ein Egoist. Übrigens auch beim Sex.

Aus all dem haben die Autoren einige grossartige Momente gezimmert. Etwa, wenn Eveline schon kurz nach dem Einzug mit Dominic in einen Waschküchenstreit gerät. Wenn sie am Morgen nach der Einweihungsparty leere Bilderrahmen an die Wand nagelt - just dorthin, wo Yannik unbedingt einen Flatscreen wollte. Oder wenn sie am Konzert von Hausgenosse Dominic realisiert, dass ihr alles zu viel geworden ist. «Bisch ned, was gärn wärsch/losisch uf dis Härz/doch aues, was de seisch/geit unger i däm Lärm», rappt Dominic, während sich um Eveline herum die Welt verlangsamt.

Die Nachbarn des Wohnblocks mit der Nr. 47: Eveline (Elsa Langnäse), Sophie (Lorena Handschin), Kuzey (Ali Erkut) und Dominic (Gabriel Noah Maurer). (Bild: SRF/Naomi Wirth)

Kein Anbiedern

Überdreht oder plump wirkt «Nr. 47» dennoch nie. Das ist den ruhigen Schnitten und der verhalten eingesetzten Musik geschuldet. Aber vor allem auch den schauspielerischen Leistungen und Dialogen. Anbiedernd ist hier nichts, junge Schauspielerinnen und Schauspieler spielen junge Menschen, die lernen, sich im Leben zurecht zu finden. Das passt.

«Nr. 47» richtet sich vorwiegend an ein junges Publikum. Und doch ist die Serie auch für all jene sehenswert, deren Auszug von Zuhause und Einstieg ins Berufsleben etwas zurückliegen. Denn Evelines Hadern berührt, erinnert es einen doch an eigene Momente jugendlicher Unsicherheit. Von diesen gibt es zum Glück im Verlauf des Lebens irgendwann weniger. Etwas weniger.

Neue Episoden von «Nr. 47» gibt es von Montag bis Freitag jeweils um 18.00 auf YouTube und srfvirus.ch. Sonntags laufen um 11.00 Uhr die einzelnen Episoden als Langfolge zusammengefasst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2018, 10:33 Uhr

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