Eine Prise «Star Wars» in den Bergen

Wer hat Dreck am Stecken im Dorf? Und im Tal? DerBund.ch/Newsnet bespricht die neue SRF-Krimiserie «Wilder». Heute: Folge 5, «Pirat».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Jakob, i bi di Vater.» Das war die grosse Enthüllung der neuen «Wilder»-Folge, Gemeindepräsident Räber machte sie in einem Sitzungszimmer der Polizei. Und wie Darth Vader in «Star Wars» stand er nach der Konfrontation wie Häufchen Elend da.

Der mächtigste Mann im Dorf also. Er hatte die arme Frau Siegenthaler getröstet, die von ihrem frommen Gatten seit ewig malträtiert wurde. Dabei entstand Klein-Jakob, der jetzt als Koch-Lehrling im Dorf arbeitet, vom vermeintlichen Vater regelmässig mit dem Gürtel traktiert wird und seinen Zorn allen weitergibt, die etwas von ihm wollen. Das erklärt einiges. Aber nicht, wer der Täter in der SRF-Krimiserie ist.

Eine Weile sah es tatsächlich schlecht aus für Robert Räber (Laszlo I. Kish). Der Dorfgewaltige sitzt zwar gerne auf dem hohen Ross, aber die Polizei fand jetzt immer wieder Neues, um ihn runterzuholen. Zum Beispiel ein Foto auf dem Mobiltelefon der immer noch im künstlichen Koma liegenden Investorentochter Amina, das beweist, dass er sich in der Tatnacht noch spät herumgetrieben hat. Oder eine Schenkungsurkunde, die zeigt, dass er auch früher schon gehörig mauschelte.

Dieser Verdacht gab dem Dorfpolizisten Res Bühler (Pierre Siegenthaler) die Gelegenheit, aus dem Schatten der beiden Hauptermittler hervorzutreten. Bis jetzt war der Beamte, der kurz vor der Pensionierung steht, fast nur zuständig für träfe Sprüche und das Ruhebewahren. Jetzt aber wurde er hartnäckig, liess sich nicht abhalten, auch wenn er und Rosa Wilder als «Witztruppe» und als «dick und doof» verhöhnt wurden. «Du sagst mir nie mehr, was ich zu tun habe», warf er Räber an den Kopf. Und das tat allen gut.

Rosa Wilder (Sarah Spale) und Res Bühler (Pierre Siegenthaler) nehmen den Gemeindepräsidenten in die Zange. Bild: SRF

Nur eben. Als Täter scheidet der Gemeindepräsident nach der grossen Enthüllung aus. Und dem jungen Jakob trauen wir zwar einiges zu, aber sicher nicht einen Mord, dessen Vorgeschichte er selber gefilmt hat. Sonst brachten die Ermittlungen wenig. Rosa Wilder zeigte gar Ermüdungserscheinungen, die sich auch nicht mit ihrer Lieblingsmahlzeit – Saure Zungen – beheben liessen.

Wer kommt als Täter überhaupt noch infrage?

Diese 5. Folge war abwechslungsreicher und spannender als diejenige zuvor. Es gab, in einer Rückblende, ein Wiedersehen mit dem von Christian Kohlund gespielten Mordopfer. Es gab weitere Vermutungen über den Bergsturz vor Jahren (sehr wahrscheinlich hat er ein 13. Opfer gefordert). Und es gab eine neue Spur mit einem Glasauge, die allerdings nicht wirklich glaubwürdig wirkte (haben Glasaugen tatsächlich Seriennummern, nach denen sich längst verstorbene Besitzer zweifelsfrei ermitteln lassen?).

Aber die Hauptfrage bleibt natürlich: Wer kommt als Täter noch infrage? Es ist ein gutes Zeichen, dass «Wilder» dieses Geheimnis tatsächlich bis zur letzten Folge bewahren kann. Nach dem Gesetz der Serien gibt es jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ist es jemand, der bereits in früheren Folgen unter Verdacht geraten war und bei dem/der etwas übersehen wurde. Und sonst kann es nur jemand aus dem Kreis der bis jetzt völlig Unverdächtigen sein. Liebende Mütter? Polizisten? Bundesbehörde? Die nächste – und letzte – Folge muss es zeigen.

Schönster berndeutscher Satz:
«Geschter isch geschter gsi, und hüt bin i Wirt» (Der Dorfwirt, der nicht über Vergangenes sprechen will).

Die grosse Politik im kleinen Bergdorf:
Hat die Entsorgungsgesellschaft Nagra, pardon, Neraton doch etwas mit dem Bergsturz zu tun? Kägi will nicht lockerlassen.

Bitte nicht!
James Bond in Ehren. Aber eine Kugelschreiberkamera, mit der eine Lokal-TV-Reporterin verdeckt filmen will, war dann doch zu viel.

Wie persönlich wird es für die Polizistin?
Sie scheint den Seitensprung mit dem jungen Räber gelassen zu nehmen. Als er ihr sagt, seine Frau sei deswegen ausgezogen, sagt sie locker: «U jetzt? Söll i wider izieh?»

Noch ein Detail:
Von der Musik war in den Besprechungen noch nicht die Rede. Sie stammt vom Zürcher Adrian Frutiger, der bei Michael Steiners «Nacht der Gaukler» (1996) begonnen hatte und inzwischen einer der wichtigsten Schweizer Filmkomponisten ist. Sein «Wilder»-Sound nervt manchmal durch schiere Überpräsenz, ist aber dann wieder, wenn er in überraschende Melodien abdriftet, wunderschön.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2017, 21:19 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Das Schweizer Serien-Ereignis

Endspurt bei «Wilder» mit der fünften von sechs Folgen. Die Produktion gehörte zu den drei Siegerprojekten eines Wettbewerbs, der 2013 vom Schweizer Fernsehen ausgeschrieben wurde. SRF wollte damals neben dem «Bestatter» eine zweite Serie im Programm haben, mit einem «gesellschaftlich relevanten Thema». In mehreren Jahren Entwicklung entstand daraus jetzt die von Béla Batthyany und Alexander Szombath geschriebene Krimiserie, die von Pierre Monnard inszeniert wurde. Ausgestrahlt werden die Folgen jeweils am Dienstag um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Artikel zum Thema

Stillstand im Schnee

Kritik Wer hat Dreck am Stecken im Dorf? Und im Tal? DerBund.ch/Newsnet bespricht die neue SRF-Krimiserie «Wilder». Heute: Folge 4, «Spur». Mehr...

Im Unterland wird es noch wilder

Kritik Wer hat Dreck am Stecken im Dorf? Und im Tal? DerBund.ch/Newsnet bespricht die neue SRF-Krimiserie «Wilder». Heute: Folge 3 «Schlucht». Mehr...

Vorbild «Fargo» – was von der neuen SRF-Serie zu erwarten ist

Interview Regisseur Pierre Monnard über «Wilder», winterliche Drehtage beidseits der Sprachgrenzen und die Konkurrenz zu Netflix. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...