WM-Glotzblog: Eine Eröffnungsfeier zum Vergessen

Robbie Williams, Putins Rede, ein kleiner Bub und viel Rumgehopse – die Fussball-WM kann sich nach dem Auftakt nur steigern.

Hit um Hit im Olympiastadion von Moskau: Entertainer Robbie Williams eröffnet die Fussball-WM. Video: AFP

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Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi hatte knapp drei Stunden gedauert. Die Eröffnungsfeier der Fussball-WM dagegen war bereits nach etwas über zehn Minuten zu Ende. Kein Protz, kein Bombast zu Beginn der Veranstaltung, die doch als teuerste WM der Geschichte angekündigt worden war. Eine Lektion in Bescheidenheit im Putin-Land?

Es war vor allem ein grosser Auftritt für Robbie Williams. Der Entertainer im roten Leoparden-Anzug gab von «Let Me Entertain You» bis zu «Angels» einige seiner Hits zum Besten, ab und zu unterstützt von der aufstrebenden russischen Opernsängerin Aida Garifullina. Diese kam auf einem Feuervogel angeritten, der Sänger bewegte sich dagegen weitgehend zu Fuss und bestieg ab und zu einen abgeschnittenen Fussball, der als Bühne diente. Darum herum tanzten bunte Figuren, die einem Märchen – Robbie im Wunderland? – entsprungen zu sein schienen.

Der britische Sänger war ja bereits im Vorfeld der Eröffnung für den Auftritt heftig kritisiert worden; er habe seine Seele an Putin verkauft, hiess es. Doch vom Herrscher über das Land und über diese Spiele war während der Eröffnungsshow zunächst überhaupt nichts zu sehen. Stattdessen gab es einen kleinen Knaben, der sich durch die verschiedenen WM-Stadien dribbelte. Und schliesslich vom zweifachen Weltmeister Ronaldo an der Hand an die Feier geführt wurde. Dort durfte er dem WM-Maskottchen – ein Wolf mit Brille – den Fussball zuspielen. Dann war die Eröffnung schon aus.

Putin gibt sich erst kurz vor Anpfiff die Ehre

Schon möglich, dass der musikalisch-bunte Auftritt beim Publikum im Moskauer Olympiastadion gut angekommen ist. Am Fernsehen zu Hause wirkten die Töne seltsam fad und manchmal fast verzerrt, als sässe man in der letzten Reihe des Stadions. Und die Choreografie sah aus wie ein grosses Rumgehopse ohne klare Konturen, ausser in der kurzen Phase, in der die Tanzenden das Wort «Love» abbildeten. Aber wahre Liebe für diesen Festakt ist schwer aufzutreiben. Vielleicht war die Botschaft einfach diese: Wir können uns noch steigern, und an der Schlussfeier in viereinhalb Wochen wird dann Will Smith den offiziellen WM-Song zum Besten geben.

Wladimir Putins Auftritt kam dann doch noch. Er wartete mit seiner Rede bis kurz vor dem Anpfiff, als bestimmt mehr Menschen vor dem Fernseher sassen. Blendend gelaunt, sprach er ziemlich lange russisch, aber SRF hatte es verpasst, einen Übersetzer einzusetzen. Eine gute Gelegenheit, um vor dem Bildschirm zu testen, welche russischen Wörter man versteht. «Sport» tönt in dieser Sprache ziemlich ähnlich, «Planet» offenbar auch und «Milliarden» offensichtlich auch.

Ganz am Ende kam noch Fifa-Präsident Gianni Infantino. Der Walliser sprach auch russisch. Aber dann auch noch englisch und arabisch. Und stellte rein sprachlich Putin deutlich in den Schatten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2018, 18:41 Uhr

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