Die lustigste Frau Amerikas ist zurück

Tina Feys neue Serie «Unbreakable Kimmy Schmidt» handelt von einer Traumatisierten und ist so grausam, wie sie lustig ist.

Der Trailer zu «Unbreakable Kimmy Schmidt».

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Die besten Witze sind diejenigen mit tragischem Kern. Und die witzigsten Comedy-Serien im Grunde menschliche Tragödien: So wie «Unbreakable Kimmy Schmidt», eine neue Netflix-Sitcom, für die die amerikanische Komikerin Tina Fey als Co-Autorin beim Drehbuch mitschrieb.

Wie absurd das Tragische sein kann, hat Fey mit ihrer Parodie der Republikanerin Sarah Palin vorgeführt: Schonungslos lebensecht gab sie die Politikerin und stellte so deren unbedarfte Art und realitätsfremde Weltsicht aus.

Die 44-jährige Fey, die vor drei Jahren ihre Memoiren herausgab, wuchs am westlichen Rand von Philadelphia auf und zog nach ihrem Schulabschluss nach Chicago, die Stadt der Comedians. Dort machte sie während eines Castings das Produktionsteam von «Saturday Night Live» auf sich aufmerksam. Als eine von wenigen Frauen schrieb sie fortan Sketches für die Sendung und wurde einige Jahre später der erste weibliche Chef des Autorenteams.

Ein glückliches Leben führen die anderen

Ihre Erfahrungen als Programmleiterin einer Fernsehshow liess sie später in die von ihr erfundene Sitcom «30 Rock» einfliessen: Als Liz Lemon trug sie offen ihren Missmut und Sarkasmus zur Schau. Sie schuf den Frauentypus der unzufriedenen Vollzeitbeschäftigten; ein glückliches Leben führten immer die anderen. Ihr Feindbild waren jene blauäugigen Mädchen, die staunend durch New York schwebten und noch Träume hegten.

Junge Frauen wie eben Kimmy Schmidt, die Protagonistin ihrer neuen Serie. Doch statt auf eine glückliche Kindheit blickt diese auf ein Schicksal zurück, das grausamer kaum sein könnte: Fünfzehn Jahre lang hat sie ein Sektenguru zusammen mit anderen Frauen in einem Keller gefangen gehalten. «Unbreakable Kimmy Schmidt» beginnt mit der Befreiung der Weggesperrten und begleitet fortan die strahlende Schmidt (gespielt von Ellie Kemper) dabei, wie sie sich in New York ein neues Leben aufbaut.

Kein Opfer der Vergangenheit

Dieser anfänglichen Elendsgeschichte entwächst eine teilweise brutale Komik, wie sie nur von Tina Fey stammen kann. Ihrer Jugend beraubt, ist Schmidt in einer Regressionsphase stecken geblieben. Ihre Kindlichkeit kollidiert mit dem Sarkasmus heutiger Grossstadtbewohner, die in Schmidts blinkenden Sneakers und knallbunten Kleidern höchstens ein ironisches Fashionstatement sehen würden.

Der Frage, wie man mit einem traumatischen Erlebnis umgeht, musste sich Fey persönlich stellen. Als sie im Kindergartenalter war, hat sie ein Fremder angegriffen, bewaffnet mit einem Messer. Doch Fey will nicht als Opfer dieses Vorfalls gesehen werden. «Es ist praktisch unmöglich, über das Ereignis zu sprechen, ohne es zu instrumentalisieren und zu verherrlichen», sagte sie einst.

Auch Feys Figur Kimmy Schmidt verweigert die Rolle der Geschädigten von Beginn weg. Sie begegnet ihrem abgestumpften Umfeld mit unerschütterlichem Optimismus. Doch nicht Schmidt und ihr fehlender Sinn für Ironie sind das Lustigste an dieser Serie. Sondern wie schlecht unsere Gesellschaft mit Traumatisierten, die sich nicht mit dem Erlebten identifizieren wollen, umgehen kann. Im Fernsehen sind sie nur die namenlosen «Victims». Wir fühlen mit ihnen und erleichtern dadurch unser soziales Gewissen. Wir lieben sie, weil es ihnen noch schlechter geht als uns. Das ist ein Trauerspiel mit einem wahren, zutiefst komischen Kern.

DerBund.ch/Newsnet

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