Die Boeschte von allen

TV-Kritik

Welche Wonne: Diese Woche moderiert Cornelia Boesch die Hauptausgabe der «Tagesschau» auf SF 1. Ein Loblied auf eine Sprecherin.

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Wenn man den Namen Cornelia Boesch googelt, dann steht bereits an vierter Stelle ein Youtube-Filmchen mit dem Titel «SFDRS Cornelia Bösch Versprecher». Versprecher, das ist immer lustig – mal schauen: Bloss 17 Sekunden dauert der Ausschnitt aus einer «10vor10»-Sendung vom Sommer 2006. Boesch präzisiert darin eine Meldung vom Vortag, in der fälschlicherweise davon die Rede war, dass das Unternehmen Elvetino zwei Drittel seiner Railbars aus dem Verkehr nehme. Und sagte es gleich nochmals verkehrt.

Doch sie rettete sich gelassen aus der Affäre, sagte «Nein, umgekehrt» und rückte die Zahlen dann ins richtige Verhältnis. Das soll ein Versprecher sein? Und lustig? Ein Kommentarschreiber meinte zum Youtube-Beitrag zutreffend: «Da muss man schon ganz schön krank schadenfreudig sein, um sich darüber zu amüsieren.»

Versprecher waren bei Cornelia Boesch schon damals kein Thema. Und sie sind es heute, da sie die Hauptausgabe der «Tagesschau» auf SF 1 moderiert, erst recht nicht. Denn mit 36 Jahren wirkt sie noch souveräner als damals, als sie nur aushilfsweise durch die Sendung «10vor10» leitete. Jetzt führt Cornelia Boesch die Zuschauer der «Tagesschau» kompetent durch das globale Geschehen. Und dabei sieht die Welt gleich schöner aus.

Der letzte Trumpf des Fernsehens

Nicht, dass Boesch mit ihrer Moderation die Nachrichten beschönigen würde, aber sie präsentiert sie nicht verbissen ernst, sondern locker-freundlich. Gewiss: Für die Nachrichtenvermittlung reichten früher auch der stets korrekte Léon Huber oder der rührige Paul Spahn, dessen Gesicht sich bei traurigen Nachrichten jeweils theatralisch verfinsterte. Aber zwischen Berichten über den schnöden Mammon oder öde Politiker kann ein schönes Gesicht Wunder bewirken.

Denn in der heutigen Zeit ist die Moderation der letzte Trumpf des Fernsehens: Die Nachrichten kann man im iPad lesen, die Korrespondentenberichte im Radio hören und die Filmbeiträge im Internet sehen. Aber über die Krawatte oder die Frisur des Sprechers kann man sich nur im Fernsehen mokieren. Oder eben freuen. So ist zu beobachten, wie Cornelia Boesch zu Beginn der «Tageschau» ihre langen kastanienbraunen Haare neckisch über die rechte Schulter nach vorne fallen lässt. Und wie sie am Schluss auch auf der anderen Seite überquellen.

Nun schreien die Puristen auf: «Der Beweis! Die Moderatorin lenkt vom Wesentlichen ab!» Die können ja wegschauen oder die Nachrichten gleich im Radio hören. Aber selbst dort könnte Cornelia Boesch mithalten, hat sie doch jahrelang für Stationen wie Radio Zürisee, Radio Z oder DRS 1 gearbeitet und verfügt über eine angenehme Stimme im Mezzosopranbereich. Zudem wirkt sie als Backgroundsängerin in der Schweizer Band Soul Jam mit. Sie kennt sich also aus mit stimmgewaltigen Auftritten, die die Seele berühren sollen.

Die absolute Mehrheit für Boesch

Und doch nimmt sie sich als «Tagesschau»-Sprecherin wohltuend zurück, kleidet sich adrett, zeigt sich modisch und überrascht mal mit einem beigen, mal mit einem blauen Deuxpièces, bindet das Haar nach hinten – oder lässt es eben kokett über die Schulter nach vorne fallen. Aber nicht zu wild! So lässt sich Boesch ihre Naturlocken eigens für die Kamera strecken, damit sie nicht zu romantisch aussieht.

Bereits als «Nachteule» mochte Cornelia Boesch zu gefallen: Als sie zwischen 2004 und dem Wechsel zur Hauptausgabe im September dieses Jahres die «Tagesschau Nacht» moderierte, war sie das beliebteste Gesicht. Gemäss einer Umfrage von «Tele» im Jahr 2007 erreichte Boesch 55 Prozent der Stimmen – und das bei drei Konkurrentinnen. Von Konkurrentinnen würde Boesch nicht sprechen. Lieber sieht sie die anderen Moderatorinnen als Kolleginnen. Und die nennen sie liebevoll «Conny».

So auch Christine Maier, als sie am Schluss der «Tagesschau»-Ausgabe vom Montag die Themen von «10vor10» ankündigen durfte. Doch das Aufeinandertreffen dieser beiden so unterschiedlichen Moderatorinnen – da die unverkrampfte Boesch, dort die gestrenge Maier – muss die «Tagesschau»-Sprecherin derart irritiert haben, dass sie sich verhaspelte – ausgerechnet beim Aussprechen des Namens «Maier». Ein Fünfsekunden-Filmchen für Youtube?

DerBund.ch/Newsnet

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