Deltenre zum Heilsarmee-Streit: «Schweizer Fernsehen war informiert»

Band der Heilsarmee muss am ESC Namen ändern und Uniform ablegen: Das Schweizer Fernsehen war im Bild, sagt Ingrid Deltenre, die ehemalige SF-Direktorin und heutige Chefin des Europäischen Rundfunks.

«You and Me»: Mitglieder der Heilsarmee-Band singen ihren Song in der Eurovision-Song-Contest-Entscheidungsshow in Kreuzlingen TG. (15. Dezember 2012)

«You and Me»: Mitglieder der Heilsarmee-Band singen ihren Song in der Eurovision-Song-Contest-Entscheidungsshow in Kreuzlingen TG. (15. Dezember 2012)

(Bild: Keystone)

Das Schweizer Fernsehen war informiert, dass die Heilsarmee-Band im Finale Namen und Uniform ändern muss. Und zwar bereits vor dem Auftritt vor dem heimischen TV-Publikum. Die Chefin des Europäischen Rundfunks (EBU) und Veranstalterin des Eurovision Song Contests (ESC), Ingrid Deltenre (52), spricht gegenüber dem «Sonntag» Klartext. «Wir hatten das Schweizer Fernsehen bereits vor seiner nationalen Auswahl informiert, dass – sollte dieser Song gewinnen – der Name der Band und ihre Kleidung geändert werden müssen», sagt die ehemalige Direktorin des Schweizer Fernsehens (SF, heute: SRF).

Grund für die Auflage: «Die Heilsarmee ist eine Organisation und eine Marke. Der Song Contest ist aber keine Bühne, um Marken und deren Werte zu bewerben.» Diese Regel gelte für die Heilsarmee genauso, wie sie auch beispielsweise für Greenpeace, WWF, Nike oder Apple gelten würde. «Wenn die Band nicht ‹Heilsarmee› heissen und nicht deren offizielle Uniform tragen würde, würde der Beitrag den Regeln des ESC entsprechen und wäre willkommen.»

SF: EBU gab lediglich «Hinweis»

Zur Problematik, dass eine Freikirche die Schweiz vertritt, sagt Deltenre: «Die Schweizer haben sich für diese Band entschieden, weil sie sich durch die Band am besten vertreten fühlen.» Warum das Schweizer Fernsehen die Heilsarmee trotz Änderungsauflagen der EBU ins Rennen schickte, ist fraglich.

Sven Sarbach, Leiter Show und Events sagt im «Sonntag»: «Die EBU wies uns zwar darauf hin, dass die Heilsarmee mit ihrer Uniform und ihrem Namen wegen Regelverstössen allenfalls nicht auftreten könne. Eine definitive Beurteilung sicherte die EBU uns aber erst nach der Nomination zu.» Ein Ausschluss der Heilsarmee hätte folglich lediglich auf Hinweisen beruht.

rub

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