«Bist du ein Sexist, wenn du dich ungeschickt verhältst?»

Im Club wurde die Sexismusdebatte geführt – ein ambitioniertes Unterfangen. Immerhin wurde eine wichtige Erkenntnis gewonnen.

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Mit Trumps «Grab them by the pussy» wurde die aktuelle Sexismusdebatte vor einem Jahr angestossen, die Enthüllungen über Harvey Weinstein brachten die #metoo-Kampagne ins Rollen und nun hat auch die Schweiz ihren ersten Fall: CVP-Nationalrat Yannick Buttet, der seine Affäre gestalkt hat.

Moderatorin Karin Frei lud zur siebenköpfigen Runde, um der Sexismusdebatte auf den Grund zu gehen. Überraschend war, dass gerade bei diesem Thema die Fronten klar gezogen wurden: Die Frauen sassen allesamt rechts von Moderatorin Karin Frei, die Männer links. Der Runde hätte ein wenig Durchmischung gutgetan.

Der Club wurde denn auch grösstenteils vom Duo Roger Köppel / Christian Wasserfallen dominiert, wobei gerade Köppel gewohnt mit provokativen («Früher warst du ein ‹Tubel›, wenn du als Mann eine Frau blöd angemacht hast, heute bist du gleich halb kriminell und ein Sexist, wenn du dich ungeschickt verhältst.») und machohaften Äusserungen die Diskussion zum Erhitzen brachte: «Meiner Frau habe ich von Anfang an gesagt, dass ich mit der ‹Weltwoche› verheiratet bin und ich deshalb nicht die Familie zuoberst in meinen Prioritäten haben kann.»

Auf der anderen Seite machten Regula Rytz und Esther Girsberger die Männer spitz auf Fehler in der Argumentation aufmerksam und gerieten aufgrund Köppels Aussagen trotzdem zunehmend in eine defensive, gar fassungslose Position. Karin Kofler und Matthias Zehnder blieben weitgehend unter dem Radar. Leider, denn gerade die kommunikationstheoretischen Einschübe des Philosophen und Medienwissenschaftlers Zehnder brachten viel Ruhe in die Diskussionsrunde.

So wurde viel diskutiert über die Unterschiede von sexuellen Übergriffen in Politik und Privatwirtschaft, über den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ereignisse auf globalem Niveau, über die laut Köppel «sexuelle Reformation der Frauen», das Missverstehen von weiblichen Signalen und so weiter und so fort.

Dennoch wurde im Club gestern eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Die Runde war einstimmig der Meinung, dass Politwerbung wie die «BH-Verbrennung» der Juso, wie auch die massenhaften Anekdoten von Personen über ihre Erfahrungen mit sexueller Diskriminierung und Übergriffen, der Debatte eher schadeten als nützten, da der Verdacht der Profilierung laut werde und es das Problem jeder Ernsthaftigkeit beraube.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2017, 10:50 Uhr

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