Trumpenstein

Wie der Politiker Donald Trump im Reality-TV entstand.

Trump feuert devote Manager: Szenen aus «The Apprentive».


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Ob Donald Trump ohne TV als US-Präsident hätte kandidieren können? «Selbstverständlich nicht», antwortete der NBC-Programmdirektor diese Woche an einem Forum in Hollywood. Erst die Sendung «The Apprentice» habe Trump zur nationalen Berühmtheit werden lassen.

Tatsächlich geht bei den zahlreichen Analysen von Trumps überwältigendem Erfolg – gestern erreichte er die nötige Stimmenzahl der Republikaner; Umfragen zeigen ihn gleichauf mit Hillary Clinton – sehr häufig vergessen, was Trump eigentlich ist: eine TV-Kreation. Elf Jahre trat Trump in «The Apprentice» auf. Die NBC-Show zeigte Manager, die Trump ihre Geschäftsmodelle andienten und bot dem New Yorker Promi eine nationale Plattform. Bis zu 40 Millionen schauten zu.

In dieser Sendung panzerte sich Trump mit dem Image des erfolgreichen Unternehmers. Dieser Panzer hat den mörderischen Vorwahlkampf schadlos überstanden – obwohl Trump vor allem das Erbe seines Vaters verwaltet und mehrfach Konkurs gegangen ist. Und in «The Apprentice» verliebte sich Trump in die Kamera: Kein Politiker posiert effektvoller, keiner plaudert amüsanter. In den TV-Debatten bügelte er die übrigen Republikaner gnadenlos nieder wie durchgefallene Lehrlinge.

Gegen Shitstorms gefeit

«The Apprentice» war Reality-TV; eine Sendung also, die Realität behauptet und moralische Massstäbe unmerklich verschiebt. Wer einschaltete, akzeptierte Geflunker zu Unterhaltungszwecken. An den Schlaumeier Trump haben sich die Amerikaner deshalb längst gewöhnt. Das erklärt, warum er sein politisches Programm heute wie ein Klötzchenspiel immer wieder neu komponieren darf. Warum er verwegenste Positionswechsel vollziehen kann. Warum auch seine übelsten Beleidigungen und Lügen nicht ernst genommen werden. Gegen Shitstorms scheint der Harakiri-Twitterer auf wundersame Weise gefeit, im Gegensatz zur übervorsichtigen Konkurrenz.

Und Trump profitiert heute wie kein anderer von den Gehässigkeiten und dem Neid, die andere Reality-Stars wie Paris Hilton mit verursachten: Die Hotelerbin machte sich in ihrer Show «Simple Life» lustig über Putzfrauen und Fast-Food-Verkäufer und stellte zugleich ihre Verwöhntheit unverschämt zur Schau; glitzernde Steinchen und verschwendeter Champagner waren plötzlich auf allen Kanälen der westlichen Hemisphäre. Umso grösser die Wut, als 2008 die Finanzblase und mit ihr die übersteigerten Hoffnungen auf Luxusleben millionenfach platzten. Es ist eine groteske Randnotiz, dass ausgerechnet Trump der jungen Hilton einen ersten Modelvertrag ausstellte; hier die spöttische Prinzessin, dort der Tribun der Wutbürger.

Wer ist er? Was will er?

Mit «The Apprentice» hob Trump die Selbstvermarktung auf ein nationales Level. Den republikanischen Wahlkampf wiederum nutzt er, um das Geschäft anzukurbeln: Nach einer Rede preist er schon mal seine Produkte an, vom Trump-Magazin bis zum Trump-Mineralwasser.

Es gibt heute keine Anzeichen dafür, dass ein Präsident Trump nicht mehr den billigen Jakob mimen wird. Vielmehr scheint Trump im höchsten Amt der US-Politik die Chance zu sehen, seine Berühmtheit weiter zu mehren. Was real ist am Reality-Star, was er wirklich will, was er mit der Welt vorhätte – das weiss noch immer keiner. Vielleicht kam der Bodyguard der Wahrheit am nächsten, der einem Reporter in den 1990ern erklärte: «Tief in sich drin verspürt Donald Trump den Wunsch, Madonna zu sein.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.05.2016, 10:13 Uhr

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