Sex und andere Schweinereien

Luxushotels in Katar, sexuelle Dienstleistungen in Köln. Der Tatort «Bausünden» war solide gemacht.

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Guter alter «Tatort»! Es gibt ihn doch noch, nicht nur wilde Experimente ehrgeiziger Regisseure mit Para-Genres wie Horror oder Western oder zwanghafte Ranschmeisserei an das gerade medienvirulente politische Ereignis. Gewiss, der Fernsehkrimi ist selbst ein Genre, aber um es zu unterwandern, muss man es auch immer wieder bestätigen. Und das muss man können.

«Bausünden» (Buch: Uwe Erichsen und Wolfgang Wysocki, Regie: Kaspar Heidelbach) konnte es. Zwar musste auch hier eine politische Grossbaustelle ins Kommissariat hineinragen; wörtlich ging es um ein Architekturbüro, das in Katar ein Luxushotel hochzieht und, natürlich, dort die Arbeiter ausbeutet. Die für den Fall relevanten Schweinereien fanden aber auf deutschem Boden statt. Könecke & Co. verbanden die Akquise ihre Bauaufträge mit sexuellen Dienstleistungen.

Bauauftrag mit Sexservice

Die zur einschlägigen «Kundenbetreuung» eingesetzte Susanne Baumann – eine solche Dienstleistung zeigte die Eröffnungsszene, mit kleiner «Psycho»-Anspielung – war verschwunden, ihre Partnerin im Luxushotel, die die Zimmer für die Treffen klarmachte, tot: was die Polizei auf den Plan rief, aber auch ihren Ehemann Lars (Hanno Koffler). Der einstige Elitesoldat mit Afghanistan-Erfahrung und «Posttraumatischer Belastungsstörung» lief als lebende Zeitbombe durch den Film und bedrohte jeden, dem er zutraute, etwas über den Verbleib seiner Frau zu wissen.

Erstaunlich, wie lange der polizeilich gesuchte Baumann sich seelenruhig durch Köln bewegen konnte, sogar im Hotel, dem Locus delicti. Immer wieder erstaunlich weiterhin, dass im ganzen Film niemand das sprach, was man in Köln eigentlich spricht: kölsch. Fürs Kölner Herz gab es immerhin schöne Ansichten von der Hohenzollernbrücke oder den Kranhäusern am Rhein (auch wenn die nicht von Könecke & Co gebaut wurden).

Hübsche Repliken und Extra-Leckerli

Die Geschichte war nicht allzu verworren, wurde nicht allzu hastig erzählt, in solide-konventioneller Doppel-Dramaturgie: hier das Ermittlerpaar Ballauf-Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär schauen angesichts der üblen Weltlage immer skandinavischer drein), dort der auf eigene Faust ermittelnde Baumann, den Kommissaren immer einen Schritt voraus. Die Schauspieler agierten ordentlich, manchmal gönnte das Drehbuch ihnen auch eine hübsche Replik.

Die schönste lieferte gleich am Anfang der obligate Pathologe, in Köln ist das Jo Bausch, tatsächlich ein Arzt. Frisch am Tatort eingetroffen, beschied er die ungeduldigen Polizisten: «Sie ist tot, soviel kann ich sagen.» Und für Jazzfans gab es noch ein Extra-Leckerli: Der Soundtrack der ganzen Folge stammt von Klaus Doldinger, ja, jenem Doldinger, der die «Tatort»-Erkennungsmelodie erfunden hat. Der Sonntagabend-Krimikonsument ist zufrieden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2018, 08:14 Uhr

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«Tatort»-Folge: «Bausünden»

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