Ein letztes «Uf Wiederluege»

Katja Stauber, Vorzeigefrau der «Tagesschau», hört auf. Mit dem Alter habe das nichts zu tun.

Vertrautes Gesicht: Katja Stauber moderiert die «Tagesschau». Foto: SRF

Vertrautes Gesicht: Katja Stauber moderiert die «Tagesschau». Foto: SRF

Denise Jeitziner@tagesanzeiger

«Alle Welt spricht davon, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Wenige tun es dann aber tatsächlich. Ich mache es.» Mit diesen Worten liess die «Tagesschau»-Moderatorin Katja Stauber gestern verlauten, dass sie bald zum letzten Mal ihr vertrautes «uf Wiederluege» sagen wird – nach 27 Jahren im Scheinwerferlicht. Einzig Léon Huber war mit insgesamt 33 Jahren noch länger Aushängeschild der «Tagesschau»-Hauptausgabe.

Dafür ist Katja Stauber für viele in einer anderen Kategorie spitze: Sie ist die Moderatorin mit dem besten Deutsch. Jenem Deutsch, das ihr in die Quere kam, als sie vom Privatradio zum Schweizer Fernsehen gewechselt hatte. Als Tochter deutscher Eltern war sie, «das Beeri vom Zürcher Lokalradio», vielen zu akzentfrei, zu wenig schweizerisch und mit ihren damals 30 Jahren sowieso zu jung und zu unerfahren für die «Tagesschau». Das erzählte Stauber der Fernsehzeitschrift «Tele». Nach drei Wochen im neuen Job soll sie auf der Schreibmaschine sogar ihre Kündigung aufgesetzt haben.

«Aller Anfang ist bekanntlich schwer, das war bei mir nicht anders», sagt Katja Stauber ein paar Stunden nach ihrer Rücktrittsankündigung. An allerhand habe man sich zu Beginn ihrer Moderationstätigkeit gestört, an ihren Jacken, ihrer Frisur oder ihrem Lippenstift. Diese Stimmen sind längst verstummt.

«Einen Franz Fischlin, der gleich alt ist wie ich, würde man so etwas wohl nie fragen.»Katja Stauber

Heute, mit 56 Jahren, gilt sie als eine der erfahrensten und beliebtesten Moderatorinnen des Schweizer Fernsehens. Die Zuschauer vertrauen ihr, schätzen ihre seriöse und souveräne Art.

Aber jetzt reiche es, sagt sie. Darum: Aufhören, wenn es am schönsten ist. Oder ist damit gemeint: Aufhören, wenn sie noch schön genug ist fürs Fernsehen? Die Frage nach der Altersguillotine kommt immer auf, wenn weibliche TV-Gesichter jenseits der 50 ihren Platz vor der Kamera räumen.

Das war 2013 bei Beatrice Müller so, die mit 52 ihren Moderationsjob nach 16 Jahren aufgab, und auch bei Daniela Lager, als sie 52-jährig hinter die «10 vor 10»-Kamera wechselte. Die frühere «Miss Perfect» Marion Preuss war noch ein Jahr jünger, als sie das «Tagesschau»-Rampenlicht verliess.

Katja Stauber findet es «nervig, ja ärgerlich», dass man im Jahr 2019 noch solche Bilder im Kopf habe. «Einen Franz Fischlin, der gleich alt ist wie ich, würde man so etwas wohl nie fragen.»

Inhauser ist «erschüttert»

Allerdings hörten die bekanntesten männlichen Aushängeschilder auch erst im Frühpensionierungsalter auf und nicht bereits in ihren Fünfzigern: Charles Clerc und Heinrich Müller mit 61, Hansjörg Erny und Léon Huber wurden mit 60 pensioniert.

Katja Stauber versichert jedoch, ihr Alter sei nie ein Thema gewesen, weder für sie, ihre Vorgesetzten, noch für die Zuschauer. «Im Gegenteil: Gerade in den News will man kompetente Information, das ist keine Missen- oder Mister-Show.» Aber natürlich müsse man auch vor der Kamera funktionieren und eine angenehme Stimme haben. «Wir sind schliesslich ein Ton-und-Bild-Medium.»

Der Wunsch, eine Führungsaufgabe zu übernehmen, habe schon länger in ihr gegärt. Als die Produzentenstelle der «Tagesschau»-Hauptausgabe frei geworden sei, habe sie gewusst, dass der Moment perfekt ist. Und so geht im März 2020 eine Ära zu Ende. Florian Inhauser, «Tagesschau»-Moderator und Ehemann von Katja Stauber, twitterte vielen aus dem Herzen: «Ich bin auch ganz erschüttert.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt