Der Papst ist ein Teufel

Jude Law erobert den Vatikan in der neuen HBO-Serie «The Young Pope».

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Matthias Lerf@MatthiasLerf

Eigentlich ist alles klar: Ein junger Amerikaner wird zum Papst gewählt, weil die alten Kardinäle denken, mit ihm leichtes Spiel zu haben. Aber da haben sie die Rechnung ohne diesen Lenny Belardo gemacht. Der nennt sich provokativ Pius XIII. (nach dem umstrittenen Kriegspapst Pius XII.) und ist gewillt, im Vatikan mit eiserner Hand aufzuräumen. Nächstenliebe steht dabei ganz unten auf seiner Prioritätenliste.

Realisiert hat «The Young Pope» der italienischen Regisseur Paolo Sorrentino. Bekannt wurde dieser mit einem beissend-satirischen Film über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti («Il divo»). Vor zwei Jahren drehte er «Youth» im Kanton Graubünden. In seiner ersten TV-Serie widmet er sich nun den Machtkämpfen im Vatikan, eine Art «House of Cards» in Kardinalsroben.

Angelegt ist die HBO-Serie auf zehn Teile, an den Filmfestspielen Venedig wurden jetzt die beiden ersten gezeigt. Sie stecken voller Überraschungen, auch ein Känguru und eine blonde PR-Managerin spielen wichtige Rollen. Sorrentino will offensichtlich nicht einfach das Papsttum lächerlich machen, sondern am Fernsehen über den Glauben und seine Grenzen nachdenken. Ob ihm dies gelingt, werden die weiteren Folgen zeigen, die in Deutschland von Sky Atlantic Ende Oktober ausgestrahlt werden (erhältlich in der Schweiz via Teleclub).

Eines ist sicher: Jude Law spielt diesen kettenrauchenden jungen Papst mit Genuss. Es ist eine willkommene Rolle für den 43-jährigen Briten, der seit geraumer Zeit keinen wirklichen Hit mehr hatte. Sein Gegenspieler im Vatikan sagt ihm zwar zu Beginn: «Du bist nur ein blauäugiges Kind. Ich hätte Papst werden sollen.» Aber Law macht mit teuflischer Arroganz klar, wer ab jetzt das Sagen hat.

Der alteingesessene Strippenzieher im Vatikan wird von Silvio Orlando gespielt, einem italienischen Komiker, den man aus den Filmen von Nanni Moretti kennt. Auch sonst ist die Besetzung der Serie, in der Englisch und Italienisch gesprochen wird, höchst international. Die Belgierin Cecile de France bringt den Heiligen Vater als PR-Frau auch körperlich an Grenzen. Der aus den australischen «Schweinchen Babe»-Filmen bekannte James Cromwell spielt einen alten Kardinal. Und Woody Allens Muse Diane Keaton ist Schwester Mary, die den jungen Papst einst als Findelkind erzogen hat und jetzt den verblüfften Herren im Vatikan als höchste Beraterin vor die Nase gesetzt wird. Beim Anblick des Papstes stöhnt sie: «Ich sehe etwas Heiliges in dir.»

Und jetzt ein Film über Berlusconi

Inszeniert ist alles im typischen Sorrentino-Stil, opulent und in schwelgerischen Bildern. Der Regisseur, der 2013 mit «La Grande Bellezza» einen Oscar gewann, orientiert sich dabei einmal mehr an seinem grossen Vorbild Federico Fellini, der ja 1972 in seinem Film «Roma» auch schon mal eine klerikale Modeschau inszeniert hatte. Mit «Masterful» bewertete das Fachblatt «Variety» die beiden ersten Folgen von «The Young Pope» nach der Premiere in Venedig.

Während wir nun auf die TV-Ausstrahlung warten, schmiedet der Regisseur neue Pläne. Im Sommer will er einen Kinospielfilm namens «Loro» drehen. Hinter dem harmlosen Titel verbirgt sich ein weiteres brisantes Thema: Es geht um Silvio Berlusconi und den Machtzirkel um den ehemaligen italienischen Premierminister.

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