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«Es ist ein Trauerspiel, in Deutschland Museen zu besuchen»

Nach elf Jahren als Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin geht Hans Ottomeyer in den Ruhestand. Er übt harsche Kritik an Museen, die ihre Kunstwerke nicht angemessen präsentierten.

In illustrer Gesellschaft: Hans Ottomeyer eröffnet mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eine Ausstellung in Berlin.
In illustrer Gesellschaft: Hans Ottomeyer eröffnet mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eine Ausstellung in Berlin.
Keystone

Woran liegt es, dass Museen in Deutschland von den Besucherzahlen her im Aufwärtstrend sind? Für das Jahr 2009 meldeten sie zusammen fast 107 Millionen Besuche - knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Das kann man nicht verallgemeinern. Vor allem historische und naturwissenschaftliche Museen haben deutliche Zuwächse, kunst- und kunstgeschichtliche Museen dagegen nicht. Viele historische Museen haben es geschafft, ihre Ausstellungen besucherfreundlich aufzubereiten und zu präsentieren. Infotexte, Exponate und Videos müssen sich die Waage halten. Wenn Besucher beispielsweise gleich zu Beginn einer Ausstellung mit sehr langen Texten torpediert werden, verlieren sie schnell das Interesse.

Und was machen die Kunstmuseen falsch? Die haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es ist ein Trauerspiel, hierzulande in Kunstmuseen zu gehen. Die wollen offenbar gar keine Besucher. Sie leuchten ihre Bilder bewusst schlecht aus. Die Begründung, dass die Werke sonst Schaden nähmen, ist natürlich nachzuvollziehen. Aber wenn die Gemälde gar nicht zu erkennen sind, müssen sie auch nicht präsentiert werden. Darüber hinaus sind die Texttafeln so schlecht und lieblos gestaltet, dass sie keiner lesen will: Kleine Schrift und lange wissenschaftliche Abhandlungen, die den Besucher nicht wirklich interessieren. Es findet praktisch keine Werbung statt, obwohl grosse Werke da sind, für die perfekt geworben werden könnte.

Aber im Ausland sieht das doch anders aus, beispielsweise in London? Ja, da oder auch in New York wird mit den hochkarätigen Kunstwerken sehr gut geworben. Und vor allem kosten die Kunstmuseen in London keinen Eintritt. Leider wird in England derzeit wieder über die Erhebung von Eintrittspreisen diskutiert. Ohne Eintritt aber kann die Kunst von allen Bevölkerungsgruppen genossen werden. Und das wird garantiert auch genutzt. Auch in Deutschland sollte man für Museen, die ja einen Bildungsauftrag haben, den Eintritt abschaffen. Viele Leute haben einfach nicht so viel Geld und überlegen sich zweimal, ob sie nach einem Museumsbesuch auch noch ein zweites oder drittes Museum ansehen - wegen des hohen Eintritts. Wenn man keinen Eintritt zahlen müsste, dann könnte auch die Zahl der Museumsbesuche noch einmal um 100 bis 150 Prozent gesteigert werden. Und die Leute hätten dann auch noch Geld übrig, im Museumsshop etwas einzukaufen. Davon würden dann auch die Museen profitieren. Es kostet zudem allein viel Geld, Personal für den Ticketverkauf oder auch das Geldzählen anzustellen.

Aber auch das Merchandising scheint in Deutschland nicht so richtig zu funktionieren. Was in den Museumsshops hierzulande angeboten wird, regt häufig nicht sehr zum Kauf an. Das stimmt. Es gibt aber Ausnahmen wie die privat organisierte Emdener Kunsthalle. Das liegt an den Strukturen. Die staatlichen Museen dürfen nicht privatwirtschaftlich organisiert sein und Einnahmen und Ausgaben verrechnen. Und so ist das Angebot dementsprechend häufig unzureichend und langweilig.

Was sind die grossen Projekte für 2011? Ich gehe Ende März nach elf Jahren als Generaldirektor in den Ruhestand. Meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin, der oder die von einer Findungskommission bestellt wird, will ich ein bestelltes Feld hinterlassen. Ein Höhepunkt soll eine Ausstellung über den NS-Polizeistaat werden. Diese Ausstellung knüpft an unsere Hitler-Ausstellung an. Darüber hinaus wollen wir erneut eine Foto-Ausstellung zur Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigen und Ende des Jahres das Thema der Kulturgeschichte des Waldes behandeln.

dapd/pbe

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