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Ein starkes Sturm-und-Drang-Kollektiv

Das britisch-schweizerische Sextett Moonmot, das in Bern seine erste CD präsentiert, begeistert durch tollkühne Teamarbeit. (Fr, 13. März)

Moonmot mischen gelungen Ordnung und Freiheit.
Moonmot mischen gelungen Ordnung und Freiheit.
Foto: zvg

In Brexit-Land mischen die britischen Saxofonistinnen Dee Byrne und Cath Roberts die Jazzszene mächtig auf. Mit der Organisation Lume, die sie vor sieben Jahren gründeten, haben sie unter anderem Konzertreihen in Lokalen mit so wunderbaren Namen wie Hundred Crows Rising und Long White Cloud veranstaltet. Vor drei Jahren wurden Byrne und Roberts an die Jazzwerkstatt nach Bern eingeladen. Dahin brachten sie den Bassisten Seth Bennett und den Schlagzeuger Johnny Hunter mit und schnappten sich den Berner Posaunisten Simon Petermann und den Züri-West-Keyboarder Oli Kuster.

Volldampf-voraus-Drive

Nach der erfolgreichen Premiere kam es zur Verschwesterung und Verbrüderung. Und nun liegt mit «Going Down the Well» der erste Tonträger des Sextetts vor, das sich Moonmot nennt und als starkes Kollektiv in Erscheinung tritt. Es gibt weder eine Chefin noch einen Chef, und alle Bandmitglieder erfinden Stücke. Diese zeichnen sich durch eine gelungene Mischung aus Freiheit und Ordnung aus – vertrackte Grooves finden ebenso Platz wie wilde Gruppenimpros.

Nicht nur die Instrumentierung der Band, sondern auch das beinahe nahtlose Ineinander von komponierten und improvisierten Parts sowie die Sturm-und-Drang-Ausrichtung wecken Erinnerungen an den avantgardistischen Traditionalisten Charles Mingus. Bei Moonmot kommen allerdings allerlei Space-Age-Sounds hinzu. Für diese ist in erster Linie der Keyboarder Oli Kuster verantwortlich, aber auch Altsaxofonistin Byrne und Posaunist Petermann setzen zuweilen Effektgeräte ein.Die Musik von Moonmot bewegt sich aber nie in Richtung belangloses Ambient-Geplätscher, sondern bewahrt stets ein gewisses Mass an Dringlichkeit. Dafür ist auch das britische Drum-’n’-Bass-Tandem verantwortlich, das mal mit Volldampf-voraus-Drive, mal mit hellhörig-interaktiver Sensibilität agiert.

Alles andere als schwerfällig

Bennett und Hunter treiben auch die Band Sloth Racket an. Deren Tonangeberin Cath Roberts ist in der jungen britischen Szene omnipräsent: Die Saxofonistin gehört auch zu den Bands Madwort’s Menagerie, Article XI, Vole, Item 10 und Overground Collective Big Band und leitet zudem das Septett Quadraceratops. Tatsächlich ist vieles von dem, was Roberts mit ihrem als schwerfällig geltenden Instrument veranstaltet, alles andere als schwerfällig, sondern ganz schön fulminant. Allerdings überwindet sie die Schwerkraft des Baritonsaxofons nicht nur auf verblüffende Weise, sondern setzt sie manchmal ganz bewusst ein, um die Musik zu erden.

Der Auftritt von Moonmot im Be Jazz Club ist der zweitletzte einer beeindruckenden Konzertreihe, die das Sextett bisher durch sechs britische, zwei niederländische, zwei belgische und eine schweizerische Stadt geführt hat. Die Band wird in Bern richtig heiss sein.

Be Jazz Club, Vidmar Liebefeld, Freitag, 13. März, 20.30 Uhr

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