Dunkel helvetisch

Die Folkkapelle Dead Brothers ist seit 20 Jahren todgeweiht, riecht aber immer noch nicht streng.

Die Band Dead Brothers aus Genf.

Die Band Dead Brothers aus Genf. Bild: Mischa Scherrer

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Ist die Schweiz ein morbides Land? Dieser Verdacht scheint sich zumindest mit jedem Album zu erhärten, welches die Dead Brothers auf dem Label Voodoo Rhythm veröffentlichen. Ihre Folkmusik rumpelt durch die dunkelsten Kulissen und reibt sich auf an ihrem Dauergast: dem Bruder Tod. Es scheint den Herren ähnlich zu gehen wie dem Berner Oberländer Christian Kracht: Er schätzt das Subversive an seinem Heimatland, musste es aber verlassen. «Die Schweiz» sagte er in einem Interview, «ist ein Land, in das man irgendwann zurückkehrt – um zu sterben.» «Wo wir herkommen», sagten die Dead Brothers mal an einem Festival, «passiert nie etwas.»

Deshalb sorgen die eigens für tot Erklärten wohl alle paar Jahre dafür, dass musikalisch etwas passiert. Auf kleinen sowie grossen Bühnen, aber auch als Theatermusiker bewähren sie sich seit 20 Jahren. Dabei wurde die Liste der Verflossenen lang. Man müsste die Dutzenden Ex-Mitglieder einmal befragen, ob man eigentlich nach dem Austritt wiedergeboren wird. Der Sound jedenfalls wird es, auch auf der aktuellen Scheibe «Angst», worauf Richard Wagner mit Georges Brassens vermählt wird. Und der Dudelsack mit Mundart-Volksmusik, wie im Schlussstück «Es isch kei Selige Stamme». Ebenso zu hören ist Geschepper in Tom-Waits-Manier, das titelgebende Robert-Walser-Gedicht «Angst», ein krudes Harmonium und eine singende Säge.

Wie versprochen schlägt «Angst» wieder mehr auf die Pauke. Im Vergleich zum letzten Album «Black Moose» wird an dieser Begräbnisfeier ausgelassener getanzt. Treu blieben sich die Totenbrüder um Alain Croubalian darin, nichts Widerspenstiges glattzubügeln – sowie darin, sich hinter der eigenen Legende zu verstecken. Und ein gefühliges Lied heute «Angela» zu taufen, ist eine morbide Geheimniskrämerei für sich.

Le Singe Biel Freitag, 9. März, 20 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 08.03.2018, 06:52 Uhr

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