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Teheran-Serie, Teil V: Junge Frauen und die Sittenpolizei

Exklusiver Vorabdruck – Wie lebt es sich als modern ausgerichtete Frau in Teheran? Wie liebt man, wie vergnügt man sich? Heute: Parsua Bashi interviewt ihre 19 Jahre alte Tochter Aabi.

Kannst du kurz etwas die Streifen der Sittenpolizei sagen? Das ist ein Haufen Polizisten und hässlicher Frauen im Tschador, die sozusagen Polizistinnen sind, in grossen Transportern. Entweder sind sie an bestimmten Orten der Stadt postiert, oder sie fahren durch die Stadt und machen die Leute an. Zum Beispiels wenn die jungen Frauen unzureichend verschleiert sind oder zu viel Make-up tragen; oder sie fragen Paare, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, also religiös erlaubt oder nicht und dergleichen. In der Gegend des Basars und in der Südstadt gibt es keine Streifen. Die meisten gibt es im Norden der Stadt. Die Polizisten wissen inzwischen, was sie wo tun müssen. Wenn etwa am Vali-Asr-Platz oder im Norden der Stadt eine Frau einen kurzen, eng anliegenden Mantel trägt, halten sie sie an, und wenn er »inakzeptabel« sein sollte, nehmen sie sie mit.

Was heisst das, dass er »inakzeptabel« ist? Wenn man beispielsweise die Ärmel seines Mantels hochgeschlagen hat, hält einen der Sittenpolizist an und fragt einen ärgerlich, weshalb die Unterarme sichtbar seien. Man entschuldigt sich, rollt die Ärmel herunter und geht weiter. Wenn der Mantel jedoch Dreiviertel-Ärmel hat, kann man das nicht tun! Dann nehmen sie einen mit, bis man jemanden anruft, damit der Betreffende einem einen anständigen Mantel bringen kann. Anschliessend zahlt man 50'000 Tuman Strafe, und das wars.

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