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«Wir Briten haben ein europäisches Bewusstsein immer vermieden»

Die Autorin Naomi Alderman über die britische Befindlichkeit vor dem Referendum über den Brexit.

Was wird aus Europa, wenn sich die Briten tatsächlich aus dem Staub machen? Foto: Simon Dawson (Bloomberg)
Was wird aus Europa, wenn sich die Briten tatsächlich aus dem Staub machen? Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

Wie fühlen Sie sich derzeit als britische Bürgerin?

Extrem britisch. Allerdings spüre ich im Moment auch sehr die Identität «Einwanderer-Brite». Mein Urgrossvater, Moishe Eltermann, lief zu Fuss von ­Litauen nach Hamburg, um nicht für die Zarenarmee rekrutiert zu werden. Von dort nahm er das erste Schiff ins Vereinigte Königreich. Es macht mich schier sprachlos, dass er das tat, damit ich das Leben haben kann, das ich heute habe. Wäre er in Akn?ste geblieben, das später zu Lettland kam, dann wären meine Grosseltern dort beim Judenmassaker von 1941 ermordet worden. Darum beanspruche ich mein Britentum als ein Recht, das für mich durch Mut, harte Arbeit und endlose, erlaufene Meilen ­gewonnen wurde. Ich empfinde es als Verpflichtung und Privileg – als Verpflichtung, an all jene zu denken, die heute versuchen, die gleiche Reise zu unternehmen; und als Verpflichtung, am Leben des Landes so intensiv wie möglich teilzunehmen, ganz generell ein gutes und sinnvolles Leben zu führen.

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