Was der Kubus alles möglich macht

Die Erfolgsgeschichte des Kubus erinnert an die grosse, verpasste Chance, in der früheren Kornhauspost eine zweite Spielstätte fürs Stadttheater einzurichten.

Erfreuliche Zahlen: Der Kubus auf dem Waisenhausplatz.

Erfreuliche Zahlen: Der Kubus auf dem Waisenhausplatz.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Bereits bei der Präsentation des Spielplans der nächsten Saison verkündete Stephan Märki vor knapp einem Monat stolz, wie gefragt der Kubus sei. «Ein Hit», sagte der Intendant von Konzert Theater Bern (KTB). Nun liegt die Bilanz vor, und die erfreulichen Zahlen belegen, wie gut die Spielstätte auf dem Waisenhausplatz mit ihrem grosszügigen ­Foyer und der attraktiven Bar beim Publikum ankommt. Während der knapp drei Monate seit der Eröffnung verzeichneten die 83 Vorstellungen und Konzerte bei einer Auslastung von 74 Prozent rund 22'000 Besucherinnen und Besucher. Gefragter als die Gastspiele waren die KTB-Eigenproduktionen: So sorgten zum Beispiel die James-Bond-Night und der Tango-Abend des Berner Symphonieorchesters sowie Uwe Schönbecks Solo «Die Sternstunde des Josef Bieder» und das Schauspiel «Das Versprechen» von Friedrich Dürrenmatt für ausverkaufte Vorstellungen.

Verhandlungen scheiterten

Die kleine Erfolgsgeschichte des Kubus erinnert gleichzeitig aber auch an die grosse Chance, welche das Stadttheater vor gut zwölf Jahren verpasst hat. 2003 suchte Intendant Eike Gramss nach einem Ersatz für die kleine, teure zweite Spielstätte, die im Dach des Kornhauses eingerichtet worden war und den Ansprüchen längst nicht genügte. Verschiedene Optionen wurden geprüft, unter anderem auch die Dampfzentrale. Der vielversprechendste Ort für ein kleines Schauspielhaus war aber die alte Kornhauspost, für die eine neue Nutzung gesucht wurde. Nicht nur die zentrale Lage war ideal, das Untergeschoss der Post war mit dem Stadttheater verbunden und diente als Kulissenlager.

Mit der Auslagerung des Schauspiels in die alte Post hätten am Stadttheater sowohl räumliche als auch betriebliche Probleme längerfristig gelöst werden können. Allerdings wäre man für den neuen Theatersaal auch auf das Obergeschoss angewiesen gewesen, das von der französischen Kirche genutzt wird. Die Evangelisch-Reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern, die für die Räumlichkeiten zuständig ist, war durchaus zu Verhandlungen bereit, doch diese scheiterten, weil der französischen Kirchgemeinde keine gleichwertigen Ersatzräume angeboten wurden. Das Projekt wurde abgeblasen, und zwei Jahre später brachte der damalige Stadttheaterpräsident, Henri Huber aus Köniz, die Vidmarhallen im Liebefeld ins Spiel, die 2007 eröffnet wurden.

Zwei Publika im Schauspiel

Wider Erwarten und allen Unkenrufen zum Trotz entwickelte sich die Spielstätte fernab des Stadtzentrum erstaunlich gut: Ein vornehmlich jüngeres Publikum ist dort bei den Schauspielaufführungen anzutreffen. So erfreulich die Entwicklung der Vidmarhallen ist, ganz unproblematisch ist sie nicht. «Es haben sich im Schauspiel zwei Publika entwickelt», sagt Stephan Märki. «Und die mischen sich immer noch zu wenig.» So sei das Vidmar-Publikum nicht automatisch auch bei den Schauspielaufführungen im Grossen Haus am Kornhausplatz anzutreffen. «wir brauchen es aber, um das Grosse Haus auch im Schauspiel auszulasten.» Ob die Entwicklung anders verlaufen wäre, wenn vor zehn Jahren in unmittelbarer Nähe des Stadttheaters ein Schauspielhaus eröffnet worden wäre, darüber lässt sich heute nur spekulieren. So viel hat Märki allerdings beobachtet: «Der niederschwellige Kubus mitten in der Stadt ist für ein breites Publikum attraktiv.» Das Schauspiel ganz in die Vidmarhallen auszulagern, steht für den Intendanten nicht zur Diskussion. «Das Schauspiel muss auch in der Stadt, im Grossen Haus, präsent sein.» In der nächsten Saison werden im renovierten Haus, das im November wiedereröffnet wird, mit Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» und Goethes «Faust» wieder zwei Schauspielproduktionen gezeigt

Doch bis die Umbauarbeiten beendet sind und der Kubus wieder verschwinden muss, ist er ziemlich ausgelastet – sogar in der Sommerpause: Nach der Fussball-EM treten der Berner Clown Marco Morelli und das Artistik-Ensemble Atecidamu auf, bevor am 27. August das Theaterfest steigt und mit der Operette «Im Weissen Rössl» am 15. September die neue Spielzeit startet.

Der Bund

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