Vom Bändige vo Sammlige

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt hortete ihre Musiksammlung über Jahrzehnte. Oder war es umgekehrt?

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Am Sunntig bin i no im See gsi, ds Wasser 19 Grad, dusse no gnue heiss zum Sünnele. U de hetz Zack Bum gmacht. Am Sunntigabe. Tschüss Summer. Sälu Herbscht.

Und itz ischs wider Zyt. Zyt fürs Deheimeblybe, Dinneblybe. Itz darf me wider. Itz rüefts nümm: Chumm use, chumm use. Itz het me weniger dä Drang. Drum ischs itz wider Zyt. Für Büecher, Choche, mira Baschtle, Figure us Kaschtanie u so Züüg. U s isch vor auem wider Zyt für Musig. Für viu Musig. Für au die Musig. I ha so ne Musigsammlig. Ohni dass igs hätt wöue, ischs eini worde. Über d Jahr. Über d Jahrzähnt. Isch gwachsen u gwachse. Grösser u grösser worde.

Die Sammlig beschteit geng no us Kassette (fasch pynlech z säge), us LPs (zmindscht sy LPs wider en vogue), natürlich us CDs (CDs sy u blybe gruusigi Objekt, zum Digitalisiere aber han i no ke Zyt gfunde), u de natürlech us ändlos viu Dateie u Playlischte uf iTunes.

Wäggheie schaffen i nid. Ob Kassette, CD, Platte oder digital: I cha nid emau schlächti Musig wäggheie. Unmüglech. U wöu i ke spezifische Musiggschmack ha, hets vo auem i aune Forme. Ja, i myre Kassette-Platte-CD-Digital-Sammlig herrscht es riesegrosses Gschtürm. Musig querbeet.

Klingdons, Vent Negru, Tom Waits, Gloria Estefan, Karl Böhm, Joss Stone, Luluk Purwanto, The BossHoss, Bach Cello Suits, The Exploited, Cave, Kathleen Ferrier, Matter, Borghesia, Smetana String Quartets, Sinatra, Mafialieder, Celentano, Manson, Wecker, Patti Smith, Mozart, Aziza Mustafa Zadeh, Slime, Annette Louisan, Züri West, Brahms, Melaccoustica, Einstürzende Neubauten, Miles, Gold Collection Chanson Francais, Arvo Pärt, Krall, Handsome Hank, Strauss, Massive Attack, Morricone, Mahler, Bubi eifach, Marley, Górecki, Dead Kennedys, es Kassettli us de 80er, vo mir betitelt mit «toller Shit». Myni Sammlig zeigt, wien ig euter wirde. Was han i vor 10, 20, 30 Jahr glost? Find is no guet? Und ups, was han i gar nie aglost?

Über d Jahr isch myni Sammlig so gross worde, dass ig irgendwenn drmit ha agfange, d Musig ufzlischte, Kategorie z bilde, e Diskografie z erstelle. Über d Jahr sy geng wyteri Ungerteilige drzue cho – nach Musigschtil, Interprete, Jahrzähnt, Läbes­phase, Cover, Länder. U mit jedere Musig, won i nöi ha kouft, han i d Ungerteilige nöi müesse überdänke. U irgendwenn han i gmerkt, dass egau, weli Musig ig uflege, ineschiebe, aklicke, mi aues an e beschtimmti Zyt erinneret. Jede Schtil, jede Song, jede Tekscht schteit für nes spezifischs Gfüehl, für en Ort, e Phase, es Erläbnis, hüüfig ume mit beschtimmte Persone vrbunde. Das cha melancholisch mache.

Ob Prodigy, Mahalia, Eclecta, Verdi, Veloso, George Duke, Mariza oder Eddie Harris, sie aui chöi so i d Erinnerig inekatapultiere, dass i mängisch nach wenige Takt oder Wort ume wider d Stopptaschte muess drücke. Isch myni Kassette-Platte-CD-Digital-Sammlig öppe nümm zum Loose da?

I ha wöue myni Sammlig bändige, itz bändiget d Sammlig mi. I sött äuä ehnder säge: I ha nid e Sammlig, sondern d Sammlig het mi. U zwar fescht im Griff. I gah gloubs eifach wider use. S isch ja schön dusse. D Farbe. Dr Herbscht. D Wäuder. Sogar dr Näbu.

Der Bund

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