Tanz den Fuchs

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Das Komiker-Duo Ylvis katapultiert sich mit der Disco-Parodie «The Fox» in die Sphäre von «Gangnam Style». Doch ein Nummer-eins-Hit reicht den Norwegern nicht.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Wenn Komiker einen TV-Sender kidnappen, treibt der Nonsens zuweilen grossartige Blüten. Das war in den 1970ern so, als sich die Monty Pythons in einer üppig subventionierten BBC nach Lust und Laune austoben konnten. Und das ist heute – wir schreiben das Jahr 30 nach Auflösung der Pythons – wiederum so. Dies zeigen die Gebrüder Bård (31) und Vegard Ylvisåker (34), zwei Norweger, die als Söhne eines Ingenieurs in Angola und Moçambique eine ebenso verrückte wie privilegierte Kindheit erlebten. In ihrem fernen, dank Öl von Geld überquellenden Heimatland haben sie sich als Comedy-Duo namens Ylvis ins Nest des TV Norge gesetzt.

Hier legen die Spassvögel ein Kuckucksei nach dem andern – verrückte Talkshows, versteckte Kameras und vor allem Musikclips, die den Geschmack der nach schnellem Spass lechzenden Webgemeinde treffen. Die Produktion läuft dabei über ihre eigene Firma Concorde TV, die Ylvisåkers behalten also die volle künstlerische, aber auch wirtschaftliche Kontrolle. «The Fox» heisst ihr bekanntestes Video, das eigentlich nur als Trailer für die TV-Show gedacht war, mittlerweile aber über 150 Millionen Mal auf Youtube angeklickt worden ist. Warner Music hat die beiden schon unter Vertrag genommen.

«Dein Fell ist rot, so wunderschön»

Absurd seis, sagte ein verdutzter Bård Ylvisåker der «New York Times», «langsam fühlt sich das Ganze wie Arbeit an». Plötzlich sehen sich die Norweger, die vor 12 Jahren mit ihrem ersten gemeinsamen Kabarett-Programm national bekannt wurden, einem globalen Interesse ausgesetzt. Auf einmal jetten die Familienväter von Land zu Land, von Talkshow zu Talkshow.

«The Fox» handelt von der Frage, wie denn eigentlich ein Fuchs tönt; es ist ein pumpender Elektro-Track in der Manier eines David Guetta. An diesem Stück zeigen die Ylvisåkers, wie genau sie die stereotypen Formen des musikalischen Spannungsaufbaus kennen: das stakkatohafte Zerhacken von Wörtern etwa oder die kurze Pause vor dem Wiedereinsetzen des Beats. Die billigen Phrasen der Hitparaden-Refrains verzwirbeln sie zu absurden Collagen: «Dein Fell ist rot, so wunderschön, wie ein verkleideter Engel.»

In Richtung Crazy Frog

Beim Betrachten der Ylvis-Videos mischt sich in die Belustigung immer wieder das Staunen darüber, wie akkurat die Brüder die Klischees des Musikfernsehens sezieren: Noch die kleinste Handbewegung erweist sich als Zitat. Ein Meisterstück ist in dieser Hinsicht auch das Video «Stonehenge», das die Posen des Kuschelrocks versammelt: Der Sänger greift sich an die Brust, Schwaden aus den Nebelmaschinen wehen ihm entgegen, Slow-Motion-Aufnahmen betonen den Schmerz und so weiter. Die Ylvisåkers lieben das Pathos, das sie auch in «Stonehenge» durch den Text vollends ad absurdum führen. Und sie lieben es, die kalkulierten, Emotionen heuchelnden Überdrehungen des Mainstream-Pop noch ein Stückchen weiter zu drehen, in Richtung Crazy Frog – in Richtung Wahnsinn also.

«Ringidinginging», schreit da der Fuchs, dessen Aufstieg in die Sphäre der globalen Überhits wie «Gangnam Style» und «Harlem Shake» unaufhaltsam scheint. Letzte Woche zogen Ylvis mit «The Fox» in die Top Ten der US-Charts ein. Er wolle nicht die Nummer eins werden, sagte Vegard Ylvisåker dem «Guardian». «Wir wollen an der Nummer eins vorbei in die negativen Zahlen vordringen», sagte er. «Wir wissen nicht, ob das geht. Aber wir werden es versuchen.»

DerBund.ch/Newsnet

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