Seilziehen um Konzert Theater Bern

Wie weiter bei Konzert Theater Bern? Der «Bund» lud zum Gespräch über die Zukunft des Vierspartenhauses. Es wurde heftig diskutiert.

Konzert Theater Bern (KTB) steht vor personellen Umbrüchen. Eine Sonderausgabe von «Bund im Gespräch» brachte drei Personen zusammen, denen die Zukunft von KTB am Herzen liegt. Da war Marcel Brülhart vom Stiftungsrat des KTB, der vor sieben Jahren die Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester leitete. An seiner Seite diskutierte CVP-Stadträtin Milena Daphinoff.

Sie verlangt in einer Motion eine umfassende Untersuchung der Strukturen des Vierspartenhauses vonseiten des Gemeinderats. Komplettiert wurde die Runde durch Res Bosshart, Theaterexperte und Hochschuldozent. Einzeln haben sich die Kontrahenten schon öfter geäussert (vgl. «Kleiner Bund» vom Samstag). Zu einer direkten Auseinandersetzung kam es aber zum ersten Mal gestern im Kornhausforum, moderiert von «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz und Kulturredaktor Daniel Di Falco.

Personelle Probleme

Sehr schnell treten im Gespräch Differenzen zutage. Daphinoff zeigt sich besorgt über personelle Probleme: «Dass sich das Ensemble sogar öffentlich gemeldet hat, ist alarmierend für mich als Parlamentarierin und Subventionsgeberin.» Sie wünscht sich mehr Transparenz und eine politische Mitsprache bei der Neubesetzung der Intendanz, die 2021 ansteht.

Brülhart widerspricht. Die Struktur von KTB verlange eine hohe Konfliktfähigkeit, funktioniere jedoch gut. Die Hierarchien in der neunköpfigen Geschäftsleitung seien flach. Bosshart ist ganz anderer Meinung: KTB habe einen autoritären Intendanten, der sich in die Kompetenzen der einzelnen Sparten einmischen könne, ein Modell, das nicht mehr zeitgemäss sei: «Man sollte das beim Namen nennen.» Ein Konsens kann so nicht gefunden werden. Das Publikum - die Reihen sind voll wundert sich sichtlich über die unterschiedliche Interpretation der Strukturen.

Neues lernte man über den Berufungsprozess für den Nachfolger von Intendant Stephan Märki. Ein Gremium aus drei Personen werde das Profil der Intendantenstelle entwickeln und dem Stiftungsrat vorlegen, der Ende August in neuer Zusammensetzung tagen wird. Sollte die neue Intendanz das wünschen, wäre zum Beispiel auch eine Zweiteilung der Leitung möglich: Jemand trägt die künstlerische, jemand die administrative Verantwortung. Bosshart und Daphinoff finden es problematisch, ohne klares Führungsmodell nach einer neuen Intendanz zu suchen.

Ansätze eines Konsenses

Ein friedliches Zwischenspiel sind die Diskussionen um die Öffnung des Theaters für neue Publikumssegmente. Alle finden es wichtig, mit Hochkultur möglichst viele zu erreichen, ob jung oder alt. Dazu müsse KTB mit neuen Formaten arbeiten, wie sie zum Beispiel in der Laientheaterszene praktiziert würden. Daphinoff ruft aber dazu auf, zu den Traditionshäusern auch in finanzieller Hinsicht Sorge zu tragen; freie Szene und Hochkultur dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Dieser Aufruf erntet Applaus - obwohl Brülhart klarstellt, punkto Subventionen sei KTB zufrieden. Überhaupt fehlt jegliche Kritik an KTB zum Beispiel aus der Warte der freien Szene, die sich auch in die Publikumsdiskussion am Ende des Anlasses nicht einschaltet.

Dafür sitzt Stephanie Gräve im Publikum, die ehemalige Schauspielleiterin am Stadttheater Bern. Und da wird der Tonfall noch einmal richtig scharf: Märki habe ihr als Spartenleiterin Dinge vorschreiben wollen. Brülhart weigert sich allerdings, sich auf Diskussionen einzulassen, die schon stundenlang hinter verschlossenen Türen geführt worden seien. Fazit: KTB wird sich wohl auch in Zukunft mit Kritik konfrontiert sehen.

Der Bund

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