Plädoyer für Print

Wie eine «Bund»-Ausgabe dazu beitrug, eine missliche Lage zu bewältigen.

Die gedruckte Ausgabe des «Bund» bringt einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert.

Die gedruckte Ausgabe des «Bund» bringt einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert.

(Bild: zec)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Die Enttäuschung war riesig. Entgegen der Beschreibung im Internet gibt es im Bivacco Camposecco im italienischen Antronatal weder einen Gaskocher noch Kochgeschirr noch Wasser. Nicht einmal Matratzen sind im nigelnagelneuen Holzbau vorhanden, dessen Design an skandinavische Vorbilder erinnert. Zur Genüge vorhanden sind einzig Wolldecken. Zudem gibt es eine unübersehbare Tafel, die für die beteiligten Architekten und den EU-Fonds wirbt, aus dem die 60'000 Euro zur Realisierung des Bauwerks stammen. Aber was sollte nun aus unserem Risotto werden, den wir uns nach einem stundenlangen Marsch mehr als verdient hatten? Die Lage war ungemütlich, zumal die Tochter mit ihren Blicken deutlich machte, dass sie sich eine warme Mahlzeit ersehnte.

Zum Glück nahte Rettung. Sie bestand aus einem freundlichen Staudammwärter, der uns eine Pfanne zur Verfügung stellte, aus einem alten Rost, Resten von Bauholz und einer Montagausgabe des «Bund». Natürlich hätten wir uns lieber die umfangreichere Samstagsausgabe gewünscht. Aber wir hatten immerhin 28 «Bund»-Seiten zur Verfügung, um mit groben Baulatten Feuer für den Risotto und den Frühstückskaffee zu machen. Ersteres war vergleichsweise einfach, denn dunkle Vorahnungen hatten uns während des Aufstiegs bewogen, etwas Kleinholz zum Anfeuern einzusammeln. Schliesslich liegt das Bivacco auf über 2300 Metern über Meer.

Aber wie sollte es uns am nächsten Morgen gelingen, die erkaltete Glut ohne Kleinholz anzufachen? Da standen uns nämlich «nur» noch der «Bund»-Lokal- und Kulturteil zur Verfügung. Und ohne einen Schluck Kaffee weiterzuwandern, war wiederum für den Vater keine Option.

Mit dem Lokalteil alleine war feuertechnisch wenig auszurichten. Mehr oder weniger unmotiviert glomm er unter dem groben Bauholz vor sich hin und war weit davon entfernt, dieses entflammen zu können. Also musste auch der Kulturteil daran glauben, den ich mir für einen ruhigen Moment aufgespart hatte. Denn der Artikel meines Kollegen über die weitgehend unbekannte Stanley-Thomas-Johnson-Stiftung aus Bern machte neugierig, weil die Finanzierung von Kultur aus dem Vermögen eines Rüstungsindustriellen doch Fragen aufwirft. Die Antworten darauf muss ich nun wohl online nachlesen. Aber der Brennwert des Artikels war ausgezeichnet, sodass der Tag doch noch mit einem heissen Kaffee beginnen konnte.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...