53 Millionen Follower mobilisiert

Dem erfolgreichsten Youtuber der Welt wird Antisemitismus vorgeworfen – doch PewDiePie behauptet: Ist nur ein Medienexperiment.

«I kill Hitler!» PewDiePies letztes Video.


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Genau im richtigen Moment schossen PewDiePie die Tränen in die blauen Augen. «Der innigste», seine Stimme brach, «der innigste Dank all jenen, die mich unterstützt haben. Es war unglaublich.» Das «Wall Street Journal» hatte ihm Antisemitismus vorgeworfen, Disney hatte die Partnerschaft beendet. Nun versuchte er, seine Follower zu mobilisieren und seine Haut zu retten.

Dabei hat alles so kindisch angefangen. PewDiePie ist ein 27-jähriger Schwede und heisst eigentlich Felix Kjellberg. Er machte den Traum wahr, den Tausende Teenager träumen: Er spielte Games und wurde reich damit. Auf Youtube baute er den beliebtesten Kanal überhaupt auf – 53 Millionen Follower, 14 Milliarden Views. Sein geschätztes Jahreseinkommen beträgt 8 Millionen Dollar. Sogar seine Freundin fand er auf Youtube, eine Italienerin mit 5 Millionen Followern. Seine Fans, die er «Brüder» nennt, verehren ihn inbrünstig.

«Oh, es ist ein Zombie!»

PewDiePie hat das «Let's play»-Genre perfektioniert, das Sich-selbst-beim-Gamen-Filmen. Mit Vorliebe spielte er Horror-Games. Die Eskalation erfolgt in drei Stufen: Erst ist da die belustigte, lauernde Beobachtung («Was ist hinter dieser Tür? Nun, ich öffne jetzt mal die Tür.»), dann die Entdeckung («Oh, es ist ein Zombie! Oh, nein, er beisst mir den Kopf ab!»), schliesslich die gespielte Ungläubigkeit und das Auskosten («Er hat mir den Kopf abgebissen, oh, mein Gott!»). Das tun mittlerweile auch viele andere junge Frauen und Männer, aber niemand so erfolgreich wie der schnöselige Hysteriker aus Göteborg.

PewDiePie versuchte zuletzt, neue Fans zu sammeln, indem er sich vom Game-Nerd zum Comedian wandelte. Die Methode blieb dieselbe: Das grosse Bild zeigte etwas Schockierendes, das kleine Bild einen schockierten PewDiePie. «Ich liebe es, Grenzen zu verschieben», sagt er. Doch dann ging PewDiePie zu weit. Er gab ein Video in Auftrag, in dem ein Plakat mit einer judenfeindlichen Aufschrift ins Bild gerückt wurde. Er habe nur zeigen wollen, dass man im Internet so gut wie alles kaufen könne, rechtfertigte sich der Schwede, als der Shitstorm aufzog.

Die Sache mit dem Kontext

Nachdem er sich weinend an seine Anhängerschaft gewandt hatte, begannen die «Brüder», Unterstützungsvideos zu veröffentlichen. Natürlich sei PewDiePie kein Nazi, natürlich müsse man die Aktion im Kontext sehen. Aber selbst wenn die Aktion damit entschuldbar wäre (was sie nicht ist): Kontext ist im Internet eine brüchige Sache, jedes Zitat und jedes Bild kann spielend leicht verpflanzt werden. Das machten sich auch die PewDiePie-Fans zunutze. Sie entdeckten einen Tweet eines «Wall Street Journal»-Journalisten, der PewDiePie attackiert hatte. «Ich bin total auf der Seite der Nazis», hiess es da.

Es folgte die Erklärung, das sei ironisch gemeint, weil bezugnehmend auf die dystopische TV-Serie «The Man in the High Castle». Zu spät: Bereits türmte sich der Shitstorm über dem Journalisten. PewDiePie legte unterdessen ein neues Video nach, in dem er ein Shooter-Game spielt. Titel des Videos: «I kill Hitler!» Vier Millionen haben es mittlerweile gesehen, Hunderttausende haben es geliket. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2017, 11:37 Uhr

Pünktliche Tränen: PewDiePie.

Video

«I kill Hitler!» PewDiePies letztes Video.

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